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5.2 Die drei Rotbärte

Das Motiv der drei Teufel scheint insgesamt beliebt bei den Siebenbürger Sachen wie denn auch Auftritte von Gott höchstselbst. Deus ex Märchen sozusagen. Aber lest selbst…

Die drei Rotbärte

Ein armer Mann rief eines Tages seine drei Söhne vor sich und sprach: „Ihr seht, das ich nicht mehr im Stande bin, euch zu erhalten; zieht in die Fremde und sucht euch das tägliche Brot zu verdienen!““ „Ja, lieber Vater,“ sagten sie, „wir wollen euch nicht länger zur Last fallen; wir wollen dienen gehen, und so auch für euch sorgen!“ Damit nahmen sie ihre Sachen zusammen und machten sich des andern Tages auf den Weg.

Da traf es sich, dass sie durch einen Wald gingen und es begegnete ihnen ein alter Mann in einem grauen Mantel, der fragte sie freundlich: „wohin zieht ihr meine Kinder?“ „Wir wollen dienen gehen, guter Mann, denn unser Vater ist nicht mehr im Stande uns zu ernähren, und so können wir auch für ihn sorgen!“ „Das ist ja recht schön, hütet euch nur vor den Rotbärtigen, denn mit denen ist es nicht ganz richtig!“ „Wir wollen’s behalten!“ sprachen sie und gingen weiter.

Es währte nicht lange, so begegneten ihnen nur einmal drei Rotbärte und diese fragten die drei Burschen, wohin sie es denn gestellt hätten? „Wir suchen einen Dienst!“ sagten die Brüder. „Und wir brauchen gerade Diener!“ erwiderten die Rotbärte, „wollt ihr bei uns eintreten?“ „Wir möchten ja gerne,“ sprachen sie, „allein ein alter Manu sagte uns, mit Rotbärten sollten wir uns nicht einlassen, denn mit denen sei es nicht ganz richtig!“ „Ha, ha!“ lachten diese, „und auf den alten Mann wollt ihr hören? Ihr Narren! Wir geben euch auf ein Jahr einen so hohen Lohn, wie ihr sonst in zehn Jahren nicht verdienen könntet!“ Die Brüder dachten nur an ihren armen Vater, wie gut es für den sein würde, wenn sie bald mit reichem Lohn heimkehrten und verdingten sich. Klick-edi-klick…

5.1 Bei den Siebenbürger Sachsen Nachbarn: Der Zigeuner und die drei Teufel

Wie denn, was denn? War die Woche mit Zigeunern nicht abgeschlossen. Jawohl. Aber jetzt bin ich doch neugierig, wie dann die Märchen einer anderen in Siebenbürgen ansässigen Ethnie ausfallen, nämlich der Siebenbürger Sachsen. Aber lest selbst…

Der Zigeuner und die drei Teufel

Unser Herr Christus wanderte mit Petrus und Johannes durch mancherlei Länder, um zu sehen, wie es in der Welt ginge. Da kamen sie eines Abends zu einem Zigeuner und baten um Herberge. Nur die Frau war zu Hause; der Mann war im Wirtshaus. „Ich möchte euch gerne aufnehmen,“ sprach die Zigeunerin, „aber mein Mann wird euch misshandeln, wenn er nach Hause kommt!“ „Nu es wird ja nicht arg sein!“ sprach der Herr; „wir legen uns gleich in den Winkel zum Schlafen und da wird er uns schwerlich bemerken!“ Jetzt wollte sie die Zigeunerin nicht abweisen, sie machte eine Streu und die drei Wanderer legten sich: der Herr zunächst, Johannes in die Mitte, Petrus an die Wand.

Als der Zigeuner schwer angetrunken nach Hause kam, fing er an zu schelten und zu lärmen und auf seine Frau loszuschlagen: „du glaubst ich sei betrunken, du lügst!“ „Aber Mann, ich habe ja gar nichts gesagt!“ Indem erblickte er die Drei auf dem Boden. „Ha, Schlange, wen hast du hier?“ „Es sind müde Wanderer!“ „Ei zum Donner, konnten die nicht auf der Gasse schlafen!“ Da ließ er seine Frau und fing nun auf den ersten besten an zu schlagen und das war Christus. Der Herr regte und rührte sich nicht. Als am Morgen die Wanderer dankten und fortgehen wollten, hatte der Zigeuner seinen Rausch verschlafen und bat um Verzeihung, daß er sie misshandelt habe: er habe es nicht gerne getan, allein wenn er lustig sei, müsse er Jemanden schlagen. Der Herr sprach sanftmütig: „schon gut, kein Mensch ist ja ohne Fehler!“ Damit gingen sie fort.

Nach einem Jahr aber kehrte der Herr mit den beiden Jüngern wieder da ein. Der Zigeuner war auch jetzt nicht zu Hause, sondern wie gewöhnlich, wenn er Geld hatte, im Wirtshaus. Christus hatte sich diesmal in die Mitte gelegt. Als der Zigeuner betrunken heimkam, schalt und lärmte er abermals und schlug auf seine Frau und als diese ihm sagte, es seien wieder die drei armen Wanderer da, ließ er seine Frau und schlug auf den Mittlern los. „Die Reihe ist jetzt an dem!“ sprach er bei sich; es war aber wieder Christus, den er geschlagen hatte. Am andern Morgen bat er abermals um Verzeihung und der Herr sagte wieder: „schon gut, kein Mensch ist ja ohne Fehler!“

Zum drittenmal wieder nach einem Jahre kehrten die drei Wanderer bei dem Zigeuner ein; jetzt hatte sich Christus an die Wand gelegt. Als der Zigeuner betrunken aus dem Wirtshaus nach Hause kam, schlug er mit Vorbedacht den dritten. „Jetzt dürfen sie einander nichts vorwerfen!“ sprach er bei sich; jeder hat sein Teil bekommen; allein Christus hatte auch diesmal die Schläge empfangen. Als sie am andern Morgen Abschied nahmen, bat der Zigeuner wieder gar sehr um Verzeihung für seine Unart; er meine es gar nicht schlecht; allein wenn er in der Lust sei, müsse er Jemanden schlagen. Da freute sich der Herr, dass er im Grunde ein so gutes Herz habe und sprach zu ihm: „erbitte dir dreierlei Gnade!“ „So bitte ich,“ sprach der Zigeuner, „um einen Beutel voll Geld, der nie leer wird, zum zweiten um einen Spiegel mit der Eigenschaft, daß, wer einmal hineinsieht, sich nicht von der Stelle rühren kann, bis ich ihn nicht fortstoße und zum dritten um einen Birnbaum vor meinem Haus stets voll von Früchten mit der Eigenschaft, dass, wer hinaufkriecht, nicht herunterkommen kann, bis ich ihn nicht herunterstoße.“ „Es soll dir werden!“ sprach Christus und damit zog er mit Petrus und Johannes weiter. Klick-edi-klick für mehr…

4.7 Der allwissende Zigeuner

Heute zum Abschluss der Woche mit Märchen der Sinti und Roma, na, vor allem Roma, ein wunderschönes, langes Zaubermärchen. Mit allen Schikanen. Aber lest selbst…

Der allwissende Zigeuner

Es war einmal ein junger Zigeuner, der konnte sich in seiner Heimat nicht mehr ernähren und beschloß in die Welt zu ziehen. Er nahm Abschied von seinen Nachbarn und machte sich auf den Weg. Gegen Abend gelangte er in einen Wald und legte sich ermüdet unter einen Baum; während er da lag und überlegte, wohin er eigentlich gehen und was er anfangen solle, um sein Brot redlich zu verdienen, da hörte er plötzlich eine Stimme über sich erschallen, die ihm zurief: „Komm‘ her zu mir!“ Er blickte um sich und gewahrte über sich einen kleinen Vogel. Rasch kletterte er auf den Baum hinauf und fing den Vogel. Als er vom Baume herabgestiegen war, sagte der Vogel: „Lieber Mann, sei so gut und schlachte mich ab, meinen Körper vergrabe hier unter diesem Baum, das Herz aber esse, denn Du wirst dann alles wissen, was jemand gegen Dich vorhat.“ Der Zigeuner schlachtete den Vogel ab; aß sein Herz auf und grub ein Loch unter dem Baum, in welches er den Körper des Vogels legen wollte. Als er mit der Grube fertig war, fand er in derselben einen Zettel, auf welchem geschrieben stand: „Wenn Du glücklich werden willst, so komme nach einem Jahre wieder.“ Er begrub nun den Körper und begab sich selbst zur Ruhe.

Am nächsten Tage wanderte er weiter und kam in eine Stadt. Er wunderte sich gar sehr, als er alle Leute, die ihm begegneten, still vor sich hinweinen sah. Da er nur gut gekleideten Herren und Damen begegnete, hatte er nicht den Mut sie anzusprechen und sie nach der Ursache ihres Leids zu fragen. Nach langem Herumwandern in der Stadt begegnete er einem alten Herrn, der gleichfalls still vor sich hinweinte und als er den Zigeuner bemerkte, der keine Thränen vergoß, dachte er sich: „Wie glücklich ist dieser Zigeuner! er allein weint nicht!“ Dies wußte der Zigeuner sofort, denn das Vogelherz blieb ihm stets unversehrt im Magen, — und er fragte den alten Herrn: „Gnädiger Herr, sagt mir doch, warum alle Leute in dieser Stadt weinen?“ Der alte Herr erwiderte: „Ein großes Leid haben die Bewohner dieser Stadt. Ein mächtiger Drache wollte vor neun Jahren unsere Stadt zerstören und alle Bewohner tödten. Da schlossen wir mit ihm einen Kontrakt und versprachen ihm jährlich eine achtzehnjährige Jungfrau zu geben. Gestern haben wir ihm die Tochter unseres Königs ausliefern müssen, die er in einen Vogel verwandelte und mit ihr fortflog.“ — „Und Ihr könnt den Drachen nicht tödten?“ fragte der Zigeuner. — „Das geht nicht so leicht, mein Sohn!“ erwiderte der alte Herr. „Neunundzwanzig der besten Männer unserer Stadt, haben sich mit dem Drachen gemessen und sie alle wurden von ihm besiegt und getödtet. Es kann ihn nämlich nur der besiegen und tödten, der ein größeres Meisterstück aufzuweisen im Stande ist, der etwas kann, was er nicht nachzuahmen versteht.“ Klickst du hier, liest du mehr…

4.6 Die Zigeuner und der Wolf

Wie gestern versprochen, heute also mehr zum eigentlich eben gerne derben Ton ‚echter‘ Märchen. Aber lest selbst…

Die Zigeuner und der Wolf

Es gingen einmal drei Zigeuner zur Winterszeit aus ihren Erdhöhlen hinein in die Stadt und kauften sich Brot und Fleisch, das sie ihren Weibern und Kindern nach Hause bringen wollten. Auf dem Heimwege fanden sie einige Scheite Holz, die sie auch mitnahmen. Als sie weiter gingen, lief ein großer, großer Wolf herbei und verschlang die drei Zigeuner sammt dem Brot und Fleisch und dem Holz.

Da saßen nun die armen Zigeuner im Bauche des großen Wolfes und wußten nicht, wie sie herauskommen sollten. Der Jüngste wurde hungrig und zündete das Holz an, um sich ein Stück Fleisch zu braten. Das aber gefiel dem Wolfe nicht und hast du’s gesehen! er drückte und drückte, bis daß Fleisch und Brot, Feuer und Holz sammt den drei Zigeunern zu seinem Leibe herausfielen. Das Fleisch war inzwischen gar gebraten und die Zigeuner aßen nun ganz wohlgemut als ich des Weges kam. Sie erzählten mir diese schaurige Geschichte, und wie ich sie gehört habe, so teilte ich sie euch mit.

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Na, zuviel versprochen? Ich sag ja, Märchen eigentlich gerne eher mit Schenkelklopfer-Humor. Was jetzt nicht so meiner ist, schon gar nicht, wenn es so ohne eigentlichen Witz ist. Aber ist eben durchaus auch ein Teil der Märchenlandschaft und zwar wiederum nicht nur bei Sinti und Roma.

Morgen aber dann wieder zum Abschluss schöner, lustiger und echt clever auf eine sehr sympathische Art. Zum Abschluss der Märchenwoche mit Sinti und Roma.

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Textquelle: Volksdichtungen der siebenbürgischen und südungarischen Zigeuner. Gesammelt und aus unedirten Originaltexten übersetzt von Dr. Heinrich von Wlislocki. Wien: Verlag von Carl Graeser 1890, S.405f.