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34.5 Der Tiere Herbstgespräch

Heute gibt es noch ein Tiermärchen, das diesmal jedoch vielmehr das Wissen um die Eigenheiten der eigenen Tiere zeigt. Lest selbst…

Der Tiere Herbstgespräch

Im Herbst, wenn der scharfe Wind bläst, beginnt die Ziege, weil sie erfroren ist, sich auf der Weide zu schütteln, und schreit damit der Hirt sie nach Hause treibe, so laut sie kann: „Mich friert schon weh!“ Der Widder, der noch nicht nach Hause mag, weil er einen warmen Pelz hat, geht um die Schafe herum, und antwortet der Ziege verdrießlich: „Noch liegt ja kein Schnee!“ Zur Kirchenweih’ hat’s das Flügelvieh gut; es bekommt Brocken von den Kuchen und manchmal auch eine Handvoll Korn. Das gefällt dem Hahn, er schlägt mit den Flügeln, streckt den Hals und fragt: „Wie lang’ noch schmausen wir so froh?“ Der Gänserich, der im Hof herumwackelt, antwortet ihm: „’ne Woche lang, ’ne Woche lang,“ und der Enterich stimmt ihm bei: „Sieben Tag’, sieben Tag’.“ Aber das abgespänte Kalb im Stalle, das kein Futter bekommt, weil die Magd in’s Wirtshaus zur Musik ist, und sich dort verspätet hat, und das nun hört, wie lang noch die Kirchweih’ währen soll, das klagt erbärmlich. „Muh, muh! Hu, hu!“

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Und natürlich das Wissen warum, wie sehr die Einschätzung von etwas als negativ oder positiv von der eigenen Perspektive abhängt. Also doch wieder mit Moral sozusagen.

 
Textquelle: Westslawischer Märchenschatz. Ein Charakterbild der Böhmen, Mährer und Slowaken in ihren Märchen, Sagen, Geschichten, Volksgesängen und Spruchwörtern. Deutsch bearbeitet von Joseph Wenzig. Mit Musikbeilagen. Leipzig: Lorck 1857, S. 128.

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2.6 Das Märchen von Stier, Widder und Ziegenbock

Zur Einstimmung ins Wochenende noch einmal sehr lustig und ein bißchen – also ein kleines bißchen – derber. Aber lest selbst…

Das Märchen von Stier, Widder und Ziegenbock

In längst vergangenen, früheren Zeiten gab es einen Ail, der im Winter große Not litt. Und so wurde es Zeit, das Winterlager zu verlassen. Drei völlig geschwächte Tiere – einen jungen Stier, einen jungen Widder und einen jungen Ziegenbock – ließ man jedoch zurück.

Als die Kälte endlich nachließ und sie am frischen Grün des Frühlings langsam wieder zu Kräften kamen, kam ein Wolf angerannt und wollte alle drei in einem Festschmauß fressen. Der Wolf fragte den Stier also: ,,Wie heißt du?“

Darauf sagte der halbwüchsige Stier: ,,Mein Name ist Günden Khaan mit dem großen Bauch.“ Das fand der Wolf interessant, zeigte auf die Hörner des Stiers und fragte: ,,Und was hast du da auf deinem Kopf?“ Da sagte der Stier: ,,Das sind meine steinbockschwarzen Spieße, die mir vom Himmel verliehen wurden, um meine Feinde ohne Nachsicht zu durchbohren.“ Der Wolf wunderte sich, zeigte auf das Säckchen zwischen den Hinter¬beinen des kleinen Stiers und fragte: ,,Was ist das denn?“ Da sagte der Stier: ,,Das sind meine riesigen bitteren Zwiebeln, die mir von den Eltern mitgegeben wurde, um das Fleisch räuberischer Wölfe vor dem Essen zu würzen.“ …Mehr? Dann hier klicken…