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39.4 Der heilige Nikolaus und der Teufel in San Giovanni di Medua – oder: Der Preis des Verstandes

Heute gibt es eine Ortslegende, die uns zugleich – voll prickelnder Selbstironie – etwas über die albanische Mentalität verrät. Oder zumindest die albanischer Kaufleute, von der die Hafenstadt San Giovanni di Medua seit der Antike und bis ins Mittelalter lebte. Aber lest selbst…

Der heilige Nikolaus und der Teufel in San Giovanni di Medua

Der liebe Gott hatte, als er den ersten Menschen erschuf, für alle Menschen zusammen, angefangen vom Vater Adam durch alle Generationen bis herab zum letzten Menschen, nur dreihundert Gramm oder Dirhems Verstand. Mehr hatte er nicht, unter sie zu verteilen. Wie hätten nun mit so wenig Verstand so viele Köpfe gefüllt werden sollen, die auf der Erde herumlaufen? Wahrlich, das ging nicht! Gibt’s doch manchen Dickschädel, für den auch sechs Oka nicht ausreichen würden. Geschweige denn, dass dreihundert Dirhems genügt hätten, die unter alle Menschen verteilt werden mussten, wobei auf jeden nur ein ganz kleines Stückehen kommen konnte, das nicht ausgereicht hätte, um einen Gallapfel zu füllen. Daher kommt es, dass die Menschen, so alt sie auch werden, einen Schädel haben, der wie ein leeres Kellergewölbe, oder wie ein ausgehöhlter Kürbis ist. Und darum kann jedermann erkennen, dass wir alle, soviel wir auch auf Erden sind, im Schädel, im Gebälk unseres Gehirns jeder ein Brett zu wenig haben. Das heißt, wir haben alle Mangel an Verstand und jeder seine Portion Narretei: Aber das ist jedermanns eigene Sorge.

Nun aber ging die Sache immer schlechter und schlechter, denn je mehr sich die Köpfe auf Erden vermehrten, umso geringer wurden die Portionen Verstand in den einzelnen Köpfen. Aber Gott, der Allmächtige, der von seinem Throne aus die Schicksale der Menschen sieht und erkennt, er wollte den mit Verstand nur so leicht bepackten Adamssöhnen in ihrer geistigen Armut helfen. Darum sagte er eines Tages zum heiligen Nikolaus: „Wenn ich von meinem Platze aus die Dinge der Welt betrachte, dann staune ich über die Menschen, dass es ihnen noch immer nicht in den Kopf gegangen ist, dass sie Brüder sind auf Erden, und dass es doch keine feine Sache ist, wenn sie einander die Schädel einschlagen. Ursache hiervon ist, glaube ich, nur, weil ich unter sie zu wenig Verstand verteilt habe. Darum begib dich jetzt hinunter auf die Erde und belade eine Galeere mit Verstand und fahre aus und verkaufe Verstand an jeden, der ihn kaufen will. Aber zum Schluss muss ich dir noch einschärfen: Du musst ihn verkaufen so teuer, wie der Sohn, der seine Mutter zu Markte bringt; denn Verstand ist teurer als Schafe!“ Weiterlesen

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34.7 Käthe und der Teufel

Zum Abschluss nochmal die Highlights – Dudelsack und Teufel – in einem angemessen reizenden Zaubermärchen. Aber lest selbst…

Käthe und der Teufel

In einem Dorfe war eine Bäuerin, Namens Käthe. Sie besaß eine Hütte, einen Garten und dazu noch einiges Geld; aber hätte sie ganz in Gold gesteckt, würde sie doch kein Bursche gemocht haben, selbst der ärmste nicht, weil sie schlimm war wie der Teufel, und ein böses Maul hatte. Sie lebte mit einer alten Mutter, und brauchte manchmal Hilfe; aber hätte wen ein Kreuzer retten können, und sie Dukaten gezahlt, wär’ ihr dennoch niemand beigesprungen, weil sie jeder Kleinigkeit wegen gleich zankte und kniff, dass es zehn Meilen weit zu hören war. Zu allem dem war sie garstig, und so blieb sie sitzen, bis sie allmählich vierzig zählte.

Wie’s meistenteils in Dörfern zu sein pflegt, dass jeden Sonntag nachmittags Musik aufspielt, so war’s auch hier; wenn sich beim Richter oder in der Schenke der Dudelsack hören ließ, war die Stube gleich von Burschen voll, in der Hausflur und vor dem Hause standen Mädchen, an den Fenstern Kinder. Aber die erste von allen war Käthe. Die Burschen winkten den Mädchen, und die traten dann ins Rad: Käthen war solch Glück ihr Lebtag nie widerfahren, obwohl sie den Dudelsackpfeifer vielleicht selbst bezahlt hätte, aber trotz dem ließ sie keinen einzigen Sonntag aus. Eines Tages ging sie wieder, und dachte unterwegs bei sich: „Bin schon so alt, und hab’ noch nie mit einem Burschen getanzt; ist das nicht zum Ärgern? Fürwahr, heut’ möcht ich meinethalben mit dem Teufel tanzen.“

Grimmig kam sie in die Schenke, setzte sich zum Ofen und schaute, wie die Bursche die Mädchen zum Tanze wählten. Auf einmal trat ein Herr im Jägergewand in die Stube, setzte sich unweit von Käthen zum Tisch und ließ sich einschenken. Die Aufwärterin brachte Bier, und der Herr nahm’s und trug Käthen zu trinken hin. Käthe wunderte sich ein Weilchen, dass ihr der Herr solche Ehre erweise; ein Weilchen sträubte sie sich, doch endlich trank sie und zwar gern. Der Herr stellte den Krug hin, zog aus der Tasche einen Dukaten, warf ihn dem Dudelsackpfeifer zu, und rief: „Ein Solo!“ Die Bursche treten auseinander, und der Herr nimmt sich Käthen zum Tanze.

„Ei, zum Kuckuck, wer ist das doch?“ fragten die Alten und steckten die Köpfe zusammen; die Burschen verzogen den Mund und die Mädchen verkrochen sich, eins hinter dem andern, und nahmen die Schürze vor’s Gesicht, dass Käthe nicht sehe, wie sie sie auslachen. Aber Käthe sah niemanden, sie war froh, dass sie tanzte, und hätte sie die ganze Welt ausgelacht, so würde sie sich nichts daraus gemacht haben. Den ganzen Nachmittag, den ganzen Abend tanzte der Herr nur mit Käthen, kaufte ihr Pfefferkuchen und Rosoglio,* und als die Zeit zum Nachhausegehen kam, begleitete er sie durch’s Dorf. Weiterlesen

34.4 Der lustige Schwanda – heißt nicht nur so, sondern ist es auch

Heute gibt es ein ange-schwank-tes Märchen mit Teufelsmotiv, was ja nicht so selten ist. Lest selbst…

Der lustige Schwanda

Schwanda, der Dudelsackpfeifer, war ein lustiger Geselle und wie jeder ordentliche Musikant immer durstig, dabei ein großer Liebhaber des Kartenspiels, besonders des sogenannten Straschak.* Hatte er den Zuhörern nach ihrem Gefallen vorgedudelt, machte er sich gern einen guten Tag, und sprach gewöhnlich solange dem Kruge zu, und setzte im Spiel, bis ihm alles, was er verdient hatte, wieder aus der Tasche flog, und er so leer wegging, als er gekommen war. Dabei ergötzte er auch ohne Dudelsack die Gesellschaft mit seinen Späßen und witzigen Einfällen, so dass kaum jemand die Schenke verließ, solange Schwanda dort war, und noch heutzutag pflegt man im Böhmischen statt: „Das ist ein Jux,“ zu sagen: „Das ist eine Schwande.“

Es geschah eines Tages, dass Schwanda, nachdem er in Mokran am Kirchenweihfest von Mittag bis Mitternacht auf dem Dudelsack gepfiffen und manchen Silbergroschen erworben, den Dudelsack weglegte, trotz allem Drängen und Zureden des jungen Volks, das ihn bat, bis zum Morgen auszuhalten, und ihm reichen Lohn dafür verhieß. Schwanda verdross es schon, nur fremder Fröhlichkeit zu dienen; er wollte auch sein Vergnügen haben. Er setzte sich daher unter die Nachbarn und begann auf eigne Rechnung zu trinken, und die Gesellschaft mit manchem Schnack und manch scherzhaftem Wort zum Lachen zu reizen. Endlich bekam er Lust, Karten zu spielen, und forderte die Nachbarn zum Straschak auf; doch fand sich wider Erwarten niemand, der mit ihm gespielt hätte. Schwanda war nicht gewohnt, aus dem Wirtshaus zu geh’n, solang er noch einen nicht vertanen Groschen in der Tasche hatte, und heut’ hatte er sich hübsch viel Geld verdient, war also ungewöhnlich spiellustig. Dazu hatte er ein wenig zu tief in den Krug geguckt, und in seinem obern Stockwerk war es sichtbar nicht richtig. Er gab keine Ruh’, er wollte spielen, und als er sah, dass ihm die Nachbarn durchaus nicht willfahrten, erhob er sich ärgerlich, bezahlte seine Schuld und verließ die Schenke. „In Dražic,“ sprach er unterwegs zu sich, indem er mit unsicherem Fuß dahinschritt, „dort ist Wallfahrt, und der Schulmeister und der Richter sind gern lustig und verachten ein Spielchen nicht. Ja, in Dražic will ich festsitzen, juchuchu!“ Und dabei sprang er in die Höh’ und schnalzte mit dem Daumen, dass er noch zehn Schritte forttaumelte, eh er seinen Leib, da der Kopf allerdings etwas schwer war, in’s Gleichgewicht brachte. Weiterlesen

27.4 Der betrogene Teufel und der Hausierer mit einem weisen Freund

Zum Abschluss einer weiteren kurzen Woche im Märchensammler ein weiteres Märchen mit einem überall bekannten Motiv in jüdischer Variante. Lest selbst…

Der betrogene Teufel

Ein armer Hausierer wanderte einst des Nachts bei hellem Mondschein eiligst der Heimat zu; denn er hatte in seiner Familie ein freudiges Ereignis zu erwarten. Da sah er plötzlich auf einem Baume an der Landstraße dicht vor sich eine Gestalt sitzen, welche mit vollen Händen Goldstücke herabwarf. Die Gestalt rief ihm zu: „Sieh, mein Lieber, all’ dies Geld soll dein sein, wenn du mir dafür das Neueste schenkst, das du zu Haus antriffst.“

Der arme Mann sah nur das blinkende Gold, er dachte gar nicht weiter der Rede nach und ging den Handel ein. Aber bald beschlich ihn ein Grauen, eine böse Ahnung, und kaum war er in seinem Heimatsorte, als er auch schon zu einem weisen Freunde eilte und ihm den Vorgang erzählte. „Die Gestalt,“ so erklärte ihm dieser das Erlebnis, „die Gestalt, die du gesehen hast, ist der Teufel, und das Neueste, das er von dir kaufen wollte, das ist das Kindchen, das du erwartest.“

Um dem Teufel seine Beute abzujagen, nahm man nun eine Katze, welche Junge werfen wollte in des Hausierers Haus, und ein Kätzchen, welches bei seinem Eintritt in sein Haus soeben war geboren worden, löste wirklich sein Kind aus. Denn kaum war dieses zur Welt gekommen, da ging ein furchtbares Krachen durch das ganze Haus, die Lichter erloschen, und in dem Tische fand man hinterher ein großes rundes Loch, wie wenn der Blitz eingeschlagen hätte. „Das war des Teufels Rache,“ sagten die frommen Leute, welche sich, wie bei Wöchnerinnen üblich, in jener Nacht zum Studium eingefunden hatten. Der Vater des Kindes behielt aber außer diesem auch noch das Gold, welches ihm der Teufel gegeben hatte.

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Es ist wirklich bezeichnend, dass nicht etwa die kluge Frau, ein hilfreiches Tier oder der clevere Hausierer selbst, die Sache durchschaut, sondern einmal mehr ein weiser Mann. Ich muss ja sagen, dass war immer, was mich wahnsinnig fasziniert an der jüdischen Kultur – wie sehr Weisheit und ja auch Diskussion geschätzt zu werden scheint. So von meinem Außenblick.

 

Textquelle: Märchen und Sagen der deutschen Juden. In: Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde 2 (1898), S. 27-28. – nach: Zeno
Bildquelle: De Marskramer, also ‚Der Hausierer‘ von Hieronymus Bosch (ca. 1450–1516)

22.7 Giolla na Choricean Gobhar oder Der Mann in dem Ziegenfelle

Zum würdigen Abschluss gibt es heute ein Zauber/Heldenmärchen mit Riesen und Prinzessinen und Prüfungen und Teufeln. Lest selbst…

Giolla na Choricean Gobhar oder Der Mann in dem Ziegenfelle

Vor langer, langer Zeit lebte in der Gegend von Enniscerthy eine alte Witwe, die war so arm, dass sie ihrem einzigen Sohn keine Kleider geben konnte und gezwungen war, ihn in ein kleines Loch neben dem Feuerherde zu setzen und mit warmer Asche zu umhüllen. Je größer er ward, desto tiefer musste sie die Grube machen; doch endlich fand sie zufällig ein Ziegenfell und band es ihm um die Lenden und sprach: „Tom, du bist jetzt ein großer Schlingel geworden, bist über sechs Fuß lang und über neunzehn Jahre alt, so dass du auch einmal etwas für mich tun kannst. Gehe also in den Wald und hole mir ein Bündel Holz!“ „Das sollst du nicht zweimal sagen,“ erwiderte Tom und ging fort.

Als er sein Bündel fertig hatte und es eben auf die Schulter nehmen wollte, kam plötzlich ein neun Fuß hoher Riese auf ihn zu und drohte ihn mit seiner Keule zu zerschmettern. Tom aber sprang schnell auf die Seite und versetzte dem Riesen unversehens einen solchen Schlag, dass er den Boden küsste. „Hast du noch etwas zu besorgen,“ sagte er dann zu ihm, „so sag’ es, ehe ich dir vollends den Garaus mache!“

„Ich habe nichts zu bestellen,“ erwiderte der Riese, „aber wenn du mir das Leben schenken willst, werde ich dir meine Keule geben und, wenn du gut und brav bleibst, so wirst du jeden Kampf, den du beginnst, damit gewinnen!“

Tom war damit vollkommen einverstanden. Er nahm die Keule in seine rechte Hand, setzte sich auf sein Holzbündel und sprach: „Da ich so viele Mühe gehabt habe, dich zusammenzuhauen, so zeige dich auch dankbar gegen mich und trage mich nach Hause.“ Er schlug mit seiner Keule aufs Bündel und augenblicklich erhob es sich vom Boden und trug ihn durch die Luft nach Hause.

Als das Holz verbrannt war, wurde Tom abermals nach dem Walde geschickt, wo er diesmal mit einem Riesen kämpfen musste, der zwei Köpfe hatte. Der Kampf war ein hartnäckiger; aber Tom blieb Sieger und der Riese schenkte ihm dafür, dass er ihm das Leben ließ, eine Wunderpfeife, die Jeden tanzen machte, der ihre Töne hörte. Tom überzeugte sich auch gleich von ihrer Zauberkraft, indem er sich auf das Holzbündel setzte und es ihn nach Hause tanzen ließ.

Beim dritten Male hatte er mit einem dreiköpfigen Kerle zu kämpfen. Als er ihn ebenfalls besiegt hatte, erhielt er zum Geschenke eine Salbe, die ihn unverbrennbar und unverwundbar machte.

„Es sind unser nur Drei,“ sagte der Riese zum Abschied, „und es wird jetzt Niemand mehr kommen, der dich im Walde stört. Hole dir also so viel Holz wie du willst.“

Tom ging nach Hause und war stolzer als zehn Pfauen. Auch wagte er sich an diesem Tage zum ersten Male auf die Straße, wo er jedoch von einigen jungen Bengeln seines seltsamen Anzuges wegen verhöhnt und ausgelacht wurde. Gern hätte er sie seine Keule fühlen lassen, aber unnützerweise wollte er doch keinen Mord begehen.

Da kam nun eines Tages ein Mann in glänzender Kleidung in das Dorf und machte bekannt, dass die Tochter des Königs zu Dublin so melancholisch sei, dass sie seit sieben Jahren nicht ein einziges Mal gelacht habe; wer sie nun drei Mal lachen mache, der würde sie zur Frau bekommen. „Das passt gerade für mich,“ sagte Tom zu sich selber, nahm Keule, Salbe und Pfeife und machte sich augenblicklich auf den Weg nach Dublin. Weiterlesen

21.7 Das Pferdegetrappel – in Bense bei Esens in Ostfriesland

Damit ist die friesische Woche auch beinahe schon wieder rum. Zum Abschluss bleiben wir noch einen Augenblick am Rande von Ostfriesland, wo Hexen und Riesen nun vom Teufel abgelöst werden. Lest selbst…

Das Pferdegetrappel

Vor vielen Jahren war unweit der Stadt Esens das Dorf Bense außerhalb des Norddeichs gelegen. Dies Dorf war von geringer Größe und bestand etwa nur aus drei bis vier großen Bauernhöfen. Der Landbesitz jedoch, der von den Besitzern dieser Höfe als Eigentum beansprucht wurde, war unermesslich groß und erstreckte sich fast bis an die Insel Langeoog hinan. Denn das Festland war damals noch weit ausgedehnter als heutzutage, und man bedurfte zum Übersetzen zur Insel keines Kahns, wie vor hundert Jahren, und keines Fährschiffes, wie gegenwärtig, sondern man nahm einen Springstock ganz gewöhnlicher Art, setzte ihn in die schmale Rille und hüpfte mit einem Schwünge hinüber. Und auch die Entfernung der Inseln zueinander war nicht größer, verkündet doch die Sage, die Insulanerinnen hätten sich auf einer Backschaufel das Brot gegenseitig zugereicht.

Weil die Benser Gutsbesitzer gegen die See keine Marken ihrer Grundstücke hatten, die Fürstliche Regierung somit auch nicht beweisen konnte, dass etwa angeschwemmtes Vorland vorhanden sei, so erhielten sich die Höfe trotz der von der Fürstlichen Regierung gegen sie angestrengten Prozesse im Besitze ihrer sämtlichen Grundstücke. Da ihnen aber einleuchtete, dass bei Bedeichung der Seeländereien sofort das Recht der Regierung auf die dann entstehenden Außendeichslande geltend gemacht werden würde, so unterließen sie es, Deiche zu legen. Dadurch wurde es später dem Teufel ein Kleines, das Dorf im Nu zu vernichten, wie wir gleich hören werden. Weiterlesen

19.5 Märchen von einem Schuster und seinem Diener Prituitschkin

Nach Hirte und Bauern mit Teufelchen nun zu Schustern und einem, ja sogar dem richtigen Teufel. Denn Diener, Schlawiner! Äh, lassen wir vielleicht die Versuche im Reimen der Literaturwissenschaftlerin und ihr lest einfach selbst…

Märchen von einem Schuster und seinem Diener Prituitschkin

In einem Reiche lebte ein berühmter und ausgezeichneter Fürst, Mistafor Skurlatowitsch; der hatte einen Diener namens Gorja, Sohn von Krutschinin. Mistafor übergab ihn einem geschickten Meister zur Lehre in der Schuhmacherkunst unter der Bedingung, dass er der erste unter allen Meistern, der beste und geschickteste würde. Und so lernte Gorja einige Jahre, und er lernte so gut aus, dass er die Schuhe zur Probe besser nähte als sein Meister. Da nahm ihn Mistafor Skurlatowitsch in sei n Haus und stellte ihn an, bei ihm Schuhe zu machen, und er machte zwanzig Dutzend Schuhe, doch seinem Herrn Mistafor Skurlatowitsch gefiel nicht ein einziges Paar. Deshalb schlug er ihn unbarmherzig; von diesen Prügeln wäre der Schuster Gorja Krutschinin beinahe toll geworden, und vor Kummer wurde er sehr krank. Und er war krank zehn Wochen.

Und als er anfing zu genesen und nach und nach herumzugehen, da stellte Mistafor Skurlatowitsch den Gorja Krutschinin wieder an, bei ihm Schuhe zu machen. Aber als er einige Paar gemacht hatte, und sie ihm brachte, dass er sie anprobiere, da gefiel diesem nicht ein einziges Paar. Und Skurlatowitsch warf ihm diese Schuhe an den Kopf und schlug ihm das ganze Gesicht blutig. Aber Gorja Krutschinin, der eine Altine* Geld bei sich hatte, ging in eine Kneipe und sprach diese Worte: „Wenn mich doch der Teufel von diesem Herrn befreite!“

Da stand plötzlich vor ihm ein unbekannter Mensch und sprach: „Über wen ereiferst du dich, guter Jüngling?“ Weiterlesen

19.3 Von den Teufelchen auf dem Eichenbaum

Nach zu helfendem Prinz und glücklichem Hirten kommen wir heute zu zwei Bauern, die sich über ein … nun, Grundsatzproblem streiten. Aber lest selbst…

Von den Teufelchen auf dem Eichenbaum

Es wohnten im Dorf zwei Bauern, Nachbarsleute, beide arm, ohne Kind und Kegel – schlau war der Eine, den’s immer kitzelte, zu mausen und den lieben Nächsten um das Seine zu prellen; wie’s Gott gefällt, lebte der Andere und mühte sich, sein dürftiges Leben durch rechtliche Arbeit zu fristen.

Stritten sich eines Tages die Nachbarsleute, ob es besser sei: zu lügen und zu trügen, oder mühselig in der Gotteswelt ehrlich seine Tage zu verbringen. Der Eine sagte: „Ehrlichkeit ist ein Hungerleider, so ein schäbiger Gesell, der’s nicht lange macht.“ Sagte der Andere: „Lieber tot sein, als in der Lüge leben. Ich wollt’s nicht, Gevatter, wollt’s nicht, und säße ich auch, wie ich da bin, im Butterfass und brauchte nur zuzugreifen.“ Sie stritten, stritten, keiner gibt dem anderen nach, und als sie so viel gesprochen hatten, dass nichts mehr zu sprechen war, beschlossen sie, in die Welt zu wandern und an allen Ecken zu fragen, wie man leben müsse.

Wie sie nun so gehen, sehen sie einen Bauern, der pflügt. „Gott zum Gruß, guter Mann! Kannst du nicht unseren Streit entscheiden? Sage uns, ob es besser sei: zu lügen und zu trügen, oder mühselig in der Gotteswelt ehrlich seine Tage zu verbringen.“ „Ne, Brüderchen, kein Mensch ist im Stande, sein lebenlang ehrlich zu leben, mit der Lüge geht’s schon eher.“ „Siehst du, ich habe Recht,“ sagt der Lügenpeter.

Wie sie weiter gehen, begegnet ihnen ein Kaufmann in einer mit Waren vollgepropften Kibitka*, die ein Paar feiste Pferde ziehen. Unsere Bäuerlein nähern sich der Kibitka, grüßen und sagen: „Nichts für ungut, wir kommen zu deiner Wohlgeboren mit einer Bitte. Kannst du nicht unseren Streit entscheiden? Sage uns, ob es besser sei: zu lügen und zu trügen, oder mühselig in der Gotteswelt ehrlich seine Tage zu vollbringen.“ „Nein, Kinderchen, ehrlich zu leben ist ein schweres Stück Arbeit, mit ein bisschen Lug und Trug geht Kibitka s schon eher. Man täuscht uns ja – wie müssen wir denn da nicht auch täuschen?“ „Siehst du, ich habe Recht,“ sagt der Lügenpeter. Weiterlesen

14.3 Der Sergeant, der in die Hölle hinabstieg

Und auch heute gibt es ein Zaubermärchen, das einem durchaus bekannt vorkommt. Lest selbst…

Der Sergeant, der in die Hölle hinabstieg

Es gab an einem Ort einmal einen Sergeanten, der sehr tüchtig war. Ein reicher Kaufmann fand Gefallen an ihm, sorgte für seine Entlassung aus dem Heer und nahm ihn in seine Dienste. Da der Kaufmann drei Töchter hatte, verliebte sich der Sergeant in eine von ihnen. Nun war der Kaufmann aber sehr misstrauisch und ließ seine Töchter nie aus dem Haus. Da er jedoch große Stücke auf den Jüngling hielt, sprach er ihn von sich aus auf die Heirat an. Alles ging seinen Gang, da geschah es, dass im Theater ein sehr hübsches Stück aufgeführt wurde, das die Mädchen sich ansehen wollten, und sie baten den Sergeanten, mit ihrem Vater zu sprechen, da nur er in der Lage war, dessen Erlaubnis für den Theaterbesuch zu erhalten. Der Kaufmann war recht brummig, doch gab er die Erlaubnis mit den Worten: „Ich lasse euch mit dem Herrn gehen, jedoch nur unter der Bedingung, dass ihr um Mitternacht mit dem letzten Schlag der Uhr hier bei der Tür seid.“ Alle versprachen das und gingen los. Als es kurz vor Mitternacht war sagte der Jüngling zu seiner Braut, dass es Zeit wäre, nach Haus zu gehen. Da hieß es: Noch ein Weilchen, noch ein Weilchen, und man bettelte hier, und man bettelte da, und so waren sie noch weit von zu Haus, als es längst schon Mitternacht geschlagen hatte.

Sowie der Junge an die Tür klopfte, riss sie der Kaufmann und rief ungehalten: „So also kommt Ihr den Befehlen nach, die ich Euch erteilte! Dann sucht nur schnell Eure Sachen zusammen, denn schon diese Nacht verbringt Ihr nicht mehr in meinem Haus.“ „Ach Herr, wegen so einer Nichtigkeit! Und wo ich doch schon kurz vor der Hochzeit mit Eurer Tochter stehe!“ Der Alte antwortete ihm: „Es gibt nur einen Weg, dass Ihr noch meine Tochter heiraten und ins Haus zurückkehren könnt.“ „Welchen?“ „Geht in die Hölle und bringt mir drei Ringe, die der Teufel am Körper trägt, zwei hat er unter den Armen und einen am Auge.“ Der Junge hielt dies für unmöglich, aber was blieb ihm schon anderes übrig, als sich auf den Weg zu machen? Weiterlesen

9.5 Die Tiere und der Teufel

Befriedigte das gestrige Märchen meine sämtliche Finnland-Märchen-Klischeevorstellungen, so kommt einem das heutige Tiermärchen – ihr dachtet ja wohl nicht, es bleibt bei dem einen? – verdammt, verdammt vertraut vor. Praktisch Bremer Stadtmisukanten auf Finnisch mit anderen Tieren und Teufel statt Räubern – also viel, viel cooler. Verdammter. ;D Aber lest selbst…

Die Tiere und der Teufel
(Ans Karelen)

Es war einmal ein alter Mann, der drei Tiere besaß: eine Katze, einen Hahn und einen Ochsen. Als man nun einst beim Abendessen saß, sagte der Hauswirth zum Knechte: „Morgen früh musst du die Katze töten.“

Aber nach dem Essen gab der Knecht der Katze den Rat: „Fliehe, sonst wirst du morgen früh geschlachtet.“ Die Katze nahm sich die Warnung zu Herzen, und als man sie am frühen Morgen töten wollte, war das Opfer fort, von der Katze nichts zu sehen noch zu hören.

Am folgenden Abend sagte der Hauswirth wieder: „Morgen früh muss man unsern Hahn schlachten.“ Diesen Befehl des Hausherrn hinterbrachte der Knecht auch dem Hahn, der schleunigst das Gehöft verließ. Auch an den Ochsen kam die Reihe zu fliehen, und alle drei fanden sich im Walde wieder zusammen.

Sie wanderten unter den Bäumen dahin; da kommt ihnen ein Wolf entgegen. „Wohin gehst du?“ fragen sie diesen. „Ich suche die Herde dort auf,“ antwortete der Wolf; „ich will sehen, ob ich nicht ein Lämmchen zum Imbiss erwischen kann.“ „Geh nicht hin!“ warnten die Andern. „Dort wird man dich töten; komm lieber mit uns.“ Der Wolf willigte ein und sie gingen vier Mann hoch weiter. Da kommt ihnen ein Bär entgegen. „Wohin gehst du?“ fragen sie wiederum. „In die Nähe des Dorfes dort; ich will Hafer fressen,“ antwortete der Bär. „Geh nicht hin, du könntest zu Schaden kommen,“ sagten die Andern, „komm lieber mit uns.“ Der Bär ging denn auch mit ihnen, und als sie zu Fünfen ein Stückchen weitergewandert waren, begegneten sie einem Hasen. Den redeten sie ebenfalls an und auch ihn gewannen sie zum Gefährten, worauf sie einem Dorf zuschritten und sich anschickten die Badestube zu heizen. Weiterlesen