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31.3 Von dem, der sich vor Nichts fürchtete

Heute gibt es einen sizilianischen…okay, es ist nicht ganz ein Schwank, aber nah dran ist es. Lest selbst… – Oh, und es könnte ein bisschen gruselig werden.

Von dem, der sich vor Nichts fürchtete

Es war einmal eine Frau, die hatte genug zu leben und es mangelte ihr nichts. Sie hatte aber einen Sohn, der sich vor nichts fürchtete und immer dumme Streiche machte. Da dachte sie: „Ich will ihn zu meinem Schwager tun, der ist Geistlicher und wird ihn wohl dazu bringen, sich vor irgendetwas zu fürchten.“

Also ging sie zu ihrem Schwager und bat ihn, den ungeratenen Sohn zu sich zu nehmen und ihm etwas Furcht einzuflößen. Der Geistliche war es zufrieden und nahm den Burschen zu sich. Um ihn nun fürchten zu machen, rief er einen Mann herbei und sprach: „Ich mache dir ein schönes Geschenk, dafür musst du dich heute Abend tot stellen und dich in einem Sarge in die Kirche hineintragen lassen. Mein Neffe wird bei dir wachen, um Mitternacht aber musst du dich in deinem Sarg bewegen, als ob du lebendig würdest.“ Der Mann versprach es und der Geistliche rief seinen Neffen und sprach: „Man wird gleich einen Toten bringen, hilf mir, den Katafalk in der Kirche errichten.“ Als sie nun den Katafalk errichtet hatten, kamen die Träger und brachten den Mann, der sich tot stellte, und legten ihn in den Sarg auf dem Katafalk. „Höre einmal,“ sprach nun der Geistliche zu seinem Neffen, „du musst die Nacht über in der Kirche wachen, denn wir können den Toten nicht allein lassen. Fürchtest du dich auch nicht?“ „Wovor sollte ich mich fürchten,“ sprach der Bursche und schloss sich mit dem Toten in der Kirche ein. Um Mitternacht hob der vermeintliche Tote auf einmal einen Arm auf und ließ ihn mit großem Lärm wieder sinken. „Du, sei still,“ rief der Bursche, „ich will auch ein wenig schlafen.“ Nach einem Weilchen hob der Mann ein Bein auf und schlug damit gegen den Sarg. „Ich glaube gar, der Tote wird wieder lebendig,“ dachte der Bursche, stieg auf den Katafalk und fing an den Mann mit einem großen Stock zu prügeln, dass er aufsprang, die Türe aufriss und entfloh. Weiterlesen

4.6 Die Zigeuner und der Wolf

Wie gestern versprochen, heute also mehr zum eigentlich eben gerne derben Ton ‚echter‘ Märchen. Aber lest selbst…

Die Zigeuner und der Wolf

Es gingen einmal drei Zigeuner zur Winterszeit aus ihren Erdhöhlen hinein in die Stadt und kauften sich Brot und Fleisch, das sie ihren Weibern und Kindern nach Hause bringen wollten. Auf dem Heimwege fanden sie einige Scheite Holz, die sie auch mitnahmen. Als sie weiter gingen, lief ein großer, großer Wolf herbei und verschlang die drei Zigeuner sammt dem Brot und Fleisch und dem Holz.

Da saßen nun die armen Zigeuner im Bauche des großen Wolfes und wußten nicht, wie sie herauskommen sollten. Der Jüngste wurde hungrig und zündete das Holz an, um sich ein Stück Fleisch zu braten. Das aber gefiel dem Wolfe nicht und hast du’s gesehen! er drückte und drückte, bis daß Fleisch und Brot, Feuer und Holz sammt den drei Zigeunern zu seinem Leibe herausfielen. Das Fleisch war inzwischen gar gebraten und die Zigeuner aßen nun ganz wohlgemut als ich des Weges kam. Sie erzählten mir diese schaurige Geschichte, und wie ich sie gehört habe, so teilte ich sie euch mit.

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Na, zuviel versprochen? Ich sag ja, Märchen eigentlich gerne eher mit Schenkelklopfer-Humor. Was jetzt nicht so meiner ist, schon gar nicht, wenn es so ohne eigentlichen Witz ist. Aber ist eben durchaus auch ein Teil der Märchenlandschaft und zwar wiederum nicht nur bei Sinti und Roma.

Morgen aber dann wieder zum Abschluss schöner, lustiger und echt clever auf eine sehr sympathische Art. Zum Abschluss der Märchenwoche mit Sinti und Roma.

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Textquelle: Volksdichtungen der siebenbürgischen und südungarischen Zigeuner. Gesammelt und aus unedirten Originaltexten übersetzt von Dr. Heinrich von Wlislocki. Wien: Verlag von Carl Graeser 1890, S.405f.