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24.6 Hagedorn über Rabe, Fuchs, Schwimmer und Überlebensstrategien am Hof

Nun aber – willkommen zu den eigentlichen Fabeln der deutschen Aufklärung. Denn Anfang machen soll Friedrich von Hagedorn (1708-1754), der als Begründer des Rokoko gilt. Entsprechend sind auch seine 1738 veröffentlichten Versuch in poetischen Fabeln und Erzählungen – sagen wir mal, lebensfroher als von Hrn. Gottsched & Co intendiert. Wenig überraschend war Hagedorn denn auch mit Bodmer befreundet…

Aber praktisch half der ja auch nicht weiter. Nach dem Vorbericht seiner Fabeln orientierte Hagedorn an den von ihm sowieso verehrten antiken Dichtern (hier natürlich vor allem Aesop und Phädrus, wie alle anderen Fabeldichter auch) und La Fontaine. Und er war dabei verdammt offen, welche seiner Fabeln er wem nachgedichtet hat. Das zeigt aber auch, das manche ganz ehrlich nur von ihm sind. Aber lest selbst…

Der Rabe und der Fuchs

Wurst wieder Wurst. Das ist das Spiel der Welt,
Und auch der Inhalt dieser Fabel.
Ein Rabe, welcher sich auf einen Baum gestellt,
Hielt einen Käs’ in seinem Schnabel.
Den Käse roch der Fuchs. Der Hunger riet ihm bald,
Dem schwarzen Räuber sich zu nahen.
Ha! spricht er, sei gegrüßt! Ist hier dein Aufenthalt?
Erblickt man hier die reizende Gestalt?
Dass du gefällst, muss, wer dich kennt, bejahen.
Erlaube mir die Lust, dich jetzo recht zu sehn …
Ja! der Fasan muss dir an Farbe weichen.
Ist dein Gesang nur halb so schön,
So wird, an Seltenheit, dir auch kein Phönix gleichen.
Den Raben täuscht das Lob, das ihm der Falsche gab.
Er kann sich nicht vor stolzer Freude fassen.
Ich, denkt er, muss mich hören lassen,
Und sperrt den Schnabel auf. Sein Käse fällt herab,
Den gleich der Fuchs verschlingt. Er sagt: Mein schönster Rabe,
Ein Schmeichler lebt von dem, der ihn zu gerne hört,
Wie ich dir jetzt bewiesen habe.
Ist diese Lehre nicht zehn solcher Käse wert?
Des Fuchses Schüler schweigt, mit heimlichem Verlangen,
Den schlauen Fänger auch zu fangen.
Der trug einst Speck nach seinem Bau,
Und er begegnet ihm. Wie, spricht er, Hühnerfresser,
Ist jetzo Speck dein Mahl? Du lebest zu genau,
Fast wie ein Mäuschen lebt. Schalk, dein Geschmack war besser. Weiterlesen