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43.2 Die Geschichte des Ardschi-Bordschi Chan – heute: I. Vikramâditja’s Geburt

Heute kommen wir also endlich zur eigentlichen und Binnenerzählung, in der sich das indische Original ganz wunderbar mischt mit mongolischer Kultur. Aber lest selbst…

Die Geschichte des Ardschi-Bordschi Chan
I. Vikramâditja’s Geburt

In grauer Vorzeit lebte ein mächtiger König Namens Gandharva; er hatte Üdsesskülengtu-Gôa, die reizend schöne Tochter des mächtigen Königs Galindari, geheiratet. Glaube und Gesetz dieser Welt befestigte und schützte er. Weil er indessen ohne Nachkommen blieb, flehte er stets darum zu Buddha und den Himmelsgöttern und grämte sich unaufhörlich in seinem Herzen darüber. Deshalb sprach Üdsessküleng-Chatun* einst zu ihrem Gemahl also: „Mein Fürst, da du um der Nachkommenschaft willen unaufhörlich im Herzen dich grämst, so meine ich, wenn du noch eine andere Frau nehmen würdest, könntest du vielleicht mit Nachkommen beglückt werden.“ Der König war mit diesem Vorschlag einverstanden, wählte ein Mädchen aus der Zahl seiner Untertanen aus und heiratete dasselbe. Bald gebar diese Gemahlin von niedrigem Stande einen Sohn. Weil der König zu dieser seiner zweiten Gemahlin eine große Zuneigung gefasst hatte, betrübte sich Üdsessküleng-Chatun in ihrem Herzen und dachte bei sich: „Durch meines Vaters Einfluss ist er König geworden; auf meine Ermächtigung hin hat er diese zweite Gemahlin genommen; jetzt bedarf er meiner nicht mehr; allein was soll ich anfangen? In einer Felsengrotte auf der Rückseite dieses Berges wohnt ein wunderkräftiger Einsiedler; zu ihm will ich mich begeben, ihm meine tiefe Verehrung bezeigen und ihn um Kindersegen bitten.“

Von fünf Dienerinnen begleitet und mit dem nötigen Speisevorrat, mit Tee und dergleichen sich versehend begab sie sich auf den Weg zu dem Einsiedler. Dort angelangt machte sie die üblichen Verbeugungen und wollte ihr Anliegen vortragen. Weil aber der Einsiedler eben in seinen frommen Betrachtungen versunken war, umwandelte sie inzwischen ehrerbietig die Stätte. Als der Lama** sie um die Mittagszeit gewahrte, sprach er: „Erhabene Königin, was für einen Kummer hast du auf dem Herzen, dass du in gläubiger Andacht zur ehrfurchtsvollen Huldigung hier erschienen bist?“ Auf diese Worte brachte die Königin ihr Anliegen vor, indem sie sprach: „Ich erflehe Kindersegen.“ „Mögest du mit zahlreicher Nachkommenschaft beglückt werden!“ antwortete der Lama und reichte ihr eine Handvoll Erde, welche er segnete. „Koche dies,“ sagte er, „in Rüböl, verdünne es dann mit Wasser in einem Porzellan-Gefäß und iss es auf.“ Weiterlesen