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30.1 Der Affe und der Leopard – wie es die Märchen der Suaheli/Swahili erzählten

Diese Woche gibt es Märchen der Suaheli. Ich dachte, mal wieder so ein Abstecher in weitere Ferne könnte nix schaden. Und ja, heute spricht man von ‚Swahili‘, aber da meine Textgrundlage wie immer etwas älter ist und ich nicht unnötig Verwirrung stiften will, folgen wir Herrn Velten in seiner eh auf einem arabischen Begriff und damit einer Fremdbezeichnung beruhenden Schreibweise für die alte Kultur der ostafrikanischen Küste.

Los geht es heute mit einem Tiermärchen. Lest selbst…

Der Affe und der Leopard

Es war einmal ein Affe. Der sagte: „Ich bin nicht kräftig, ich werde mir einen Stärkeren aussuchen und mit ihm Freundschaft schließen.“ Er begab sich zu einem Leoparden und schloss Freundschaft mit ihm.

Sie lebten zusammen. Eines Tages brachen sie auf und gingen, bis sie an einen großen Baum kamen, und ruhten dort aus. Jener Baum aber hatte sehr viele Dornen. Der Leopard sagte nun zum Affen: „Du Affe, kannst Du auf den Baum klettern? Klettere hinauf und sieh nach, von welcher Seite Krieg, von welcher Friede kommt.“ Weiterlesen

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20.4 Der böse Hase – in Afrika

Wir machen weiter mit dem Kontinentehüpfen und kommen also heute auf unserer Märchenweltreise nach Afrika. Der Titel ist heute Programm, aber lest selbst…

Der böse Hase

Es war einmal ein Hase, der sah einen toten Elefanten; er öffnete ihm den Bauch, nahm die Eingeweide heraus und wusch sie. Dann sah er einen Baum und machte sich daraus einen großen Stock.

Darauf sah er ein Zebra, das Junge hatte, und sprach: „Ei, diese Jungen des Zebra sind gut zum Töten.“ Das Zebra erwiderte: „O, Hase, diese meine Kinder möchtest du töten?“ Darauf sagte der Hase: „Jawohl,“ und er nahm seinen Stock und schlug damit ein Junges, dass es starb. Der Hase floh, das Zebra verfolgte ihn. Er kroch in den Bauch des Elefanten und rief mit starker Stimme: „Wer da? Wer da?“ Das Zebra antwortete: „Ich bin es, ich laufe dem Hasen nach, der mir mein Kleines getötet hat.“ Da rief der Hase wiederum mit starker Stimme: „Geht weg! Ihr könnt später streiten.“ Das Zebra ging weg.

Der Hase kam heraus, sah einen Leoparden mit seinen Jungen und sprach: „Ho! Ho! Ho! Diese Jungen des Leoparden sind gut zum Töten.“ Der Leopard erwiderte: „Hase, du möchtest diese meine Kinder umbringen?“ Der Hase antwortete: „Wer wird mir das verbieten?“ Der Leopard erwiderte: „Nun, bringe sie um, wir wollen sehen.“ Der Hase schlug ein Junges nieder, lief davon und flüchtete sich in den Bauch des Elefanten. Dann rief er mit starker Stimme: „Wer da?“ Der Leopard antwortete: „Ich bin es, ich laufe dem Hasen nach, der mir mein Kind ermordet hat.““ Der Hase schrie mit starker Stimme: „Ihr werdet später mit uns streiten können.“ Der Leopard ging also weiter. Weiterlesen

13.6 Wie der Schakal sich gegen Löwe, Tiger, Leopard und einen andern Schakal im Besitz eines toten Elefanten erhält

Heute gibt es also die eine weitere Fabel aus dem vierten Buch, deren Titel einfach schon genial ist. Und die eindrucksvoll beweist, dass Tierfabeln eben nicht nur Metaphern menschlichen Handelns sind, sondern auch auf genauer Beobachtung beruhen können.

Wie der Schakal sich gegen Löwe, Tiger, Leopard und einen andern Schakal im Besitz eines toten Elefanten erhält
(4. Buch, 10. Erzählung)

In einer gewissen Waldgegend wohnte einst ein Schakal, Namens Mahatschaturaka*. Dieser fand im Walde einst einen von selbst gestorbenen Elefanten; er ging von allen Seiten um ihn herum, konnte aber das harte Fell desselben nicht zerbeißen. Während dies vorging, kam ein hier und dort umherschweifender Löwe in dieselbe Gegend. Als jener nun diesen kommen sah, legte er den Reif seiner Krone auf den Boden, faltete seine beiden Hände zusammen und sprach demütig: „O Herr! Ich stehe hier als dein Keulenträger und bewache diesen Elefanten für dich. Drum möge der Herr ihn verzehren!“ Der Löwe aber, da er ihn sich demütig bücken sah, sprach: „Ah! Ich esse nie und nimmer ein Tier, das von einem andern getötet ist. Man sagt auch:

Der Löwe, der sich von des Wildes Fleisch nährt, greift, hungernd selbst, nimmer im Wald zum Grase; so lassen auch nimmer die Hochgebornen im Unglück selbst ab von dem Pfad der Tugend.

Drum begnadige ich dich selbst mit diesem Elefanten.“ Nachdem er dies gehört, sprach der Schakal voll Freude: „So geziemt es sich für einen Herrn gegen seine ergebnen Diener. Denn man sagt auch:

Ein Edler weicht voll hohen Sinns nie von des Gebieters Pflicht, selbst in äußerster Not: nimmer verliert ihre Weiße die Perle und käme sie auch aus des Feuers Mund.“

Als aber der Löwe sich entfernt hatte, kam ein Tiger heran. Als er nun diesen sah, dachte er: „Ah! Ein Bösewicht ist doch durch einen Fußfall weggebracht. Wie werde ich aber nun diesen fortschaffen? Der ist unzweifelhaft ein Held; dessen werde ich sicher nicht Meister werden, ohne Zwietracht zu säen. Denn man sagt auch:

Wo gute Wort’ und auch Gaben nicht zu helfen vermögend sind, da soll man Zwietracht aussäen; denn diese auch verhilft zum Sieg.

Ja sogar ein mit allen Tugenden Ausgerüsteter wird durch Spaltung vernichtet. Es heißt auch:

Wohlgeschützet und in Einschluss, von großer Härte und überschön, wird doch die Perle anbindbar, sobald sie einen Spalt empfängt.

oder: Selbst der innerhalb dem höchsten Wesen Stehende, sich von den äußerlichen Dingen entfernt Habende, guten Lebenswandel Führende, sehr Brave, nach Befreiung Strebende, verfällt in die Bande des Irdischen, wenn er in sich gespalten ist (d. i. wenn die Zweiheit, statt der Einheit, in ihm Herr wird).

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