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34.2 König Iltis – ein tschechisches Tiermärchen

Ihr wisst ja, kein Land im Märchensammler ohne wenigstens 1-2 Tiermärchen oder Fabeln aus seiner Tradition. Das heutige Märchen ist von der Länge her eher ein Tiermärchen, inhaltlich aber eher eine Fabel beziehungsweise fast schon eine Parabel, die auch für die heutige Zeit zu denken gibt – ganz ohne Monarchie. Aber lest selbst…

König Iltis

Einst wurden die Frösche mit ihrer alten Verfassung unzufrieden; sie quakten und quakten so lange, bis sie endlich unter Quaken den langbeinigen Storch zu ihrem König wählten. Als dies die Hühner und Hennen sahen, wollten sie hinter den Fröschen nicht zurückbleiben; sie meinten, es wäre gut, wenn sie auch ihren König hätten. Sie hielten daher einen allgemeinen Landtag und begannen sich zu beraten. Alle waren bisher eines Sinnes gewesen. Als es aber dazu kam, wer König sein solle, begannen sie zu zanken und zu hadern; denn niemand wollte dulden, dass der andere über ihn herrsche, sondern jeder hätte selbst gern über die andern geherrscht. Es stellten sich die Hähne zum Kampfe, und hackten mit den Schnäbeln auf einander los, dass die Federn von einander stoben und ihre Kämme bluteten. Weiterlesen

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23.3 Hähnchen und Hühnchen im Nusswald

Heute still ich meinen Tiere-in-Märchenbedarf mit einer weiteren norwegischen Variante eines Klassikers. Aber lest selbst…

Hähnchen und Hühnchen im Nusswald

Hähnchen und Hühnchen gingen einmal in den Nusswald, um sich Nüsse zu pflücken; da bekam Hühnchen eine Nussschale in den Hals und lag nun da und zappelte und schlug mit den Flügeln. Nun sollte Hähnchen hinlaufen und dem Hühnchen Wasser aus der Quelle holen.

Hähnchen lief auch hin, und als er zur Quelle kam, sagte er: „Quelle, gib mir Wasser, das Wasser geb’ ich Hühnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im Nusswald.“ Die Quelle aber antwortete: „Ich geb’ Dir kein Wasser, eh Du mir nicht Laub gibst.“ Da lief Hähnchen zur Linde: „Linde, gib mir Laub, das Laub geb’ ich der Quelle, die Quelle gibt mir Wasser, das Wasser geb’ ich Hühnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im Nusswald.“ „Ich geb’ Dir kein Laub, eh Du mir nicht rotes Goldband gibst,“ antwortete die Linde.

Da lief Hähnchen zur Jungfrau Maria: „Jungfrau Maria, gib mir rotes Goldband. Das rote Goldband geb’ ich der Linde, die Linde gibt mir Laub, das Laub geb’ ich der Quelle, die Quelle gibt mir Wasser, das Wasser geb’ ich Hühnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im Nusswald.“ „Ich geb’ Dir kein rotes Goldband, eh Du mir nicht Schuhe gibst,“ antwortete die Jungfrau Maria. Da lief Hähnchen zum Schuster: „Schuster, gib mir Schuh’, die Schuh’ geb‘ ich der Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria gibt mir rotes Goldband, das rote Goldband geb’ ich der Linde, die Linde gibt mir Laub, das Laub geb’ ich der Quelle, die Quelle gibt mir Wasser, das Wasser geb’ ich Hühnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im Nusswald.“ „Ich geb’ Dir keine Schuh’, eh‘ Du mir nicht Borsten gibst,“ antwortete der Schuster. Da lief Hähnchen zum Eber: „Eber, gib mir Borsten, die Borsten geb’ ich dem Schuster, der Schuster gibt mir Schuh’, die Schuh’ geb’ ich der Jungfrau Maria, die Jungfrau Maria gibt mir rotes Goldband, das rote Goldband geb’ ich der Linde, die Linde gibt mir Laub, das Laub geb’ ich der Quelle, die Quelle gibt mir Wasser, das Wasser geb’ ich Hühnchen, meinem Schatz, das liegt auf den Tod im Nusswald.“ „Ich geb’ Dir keine Borsten, eh Du mir nicht Korn gibst,“ antwortete der Eber. Weiterlesen