Schlagwort-Archive: Daniel Wilhelm Triller

24.7 Daniel Triller kommt irgendwann zu Stadt- und Feldmaus

Hagedorn auf dem Fuße folgten 1740 die Fabeln von Daniel Wilhelm Triller (1695-1782). Der war eigentlich Mediziner, aber bei seinen Zeitgenossen auch für seine Gedichte und Fabeln bekannt. Und als Bekannter von Hrn. Gottsched, hat er wohl auch ein bißchen abgekriegt. Zu Recht, muss ich mal sagen. Aber lest selbst…

 
 
 
 

Die CXLVIII Fabel
Vorzug und Sicherheit des armen Landlebens, für dem unruhigen reichen Stadtleben

In einer anmutigen Fabel, von der Feld- und Stadtmaus, aus des Horatii 6ten Satyre, des zweiten Buchs, am Ende.

Lucanus, Pharsal. Lib. V.
O vitae tuta facultas
Pauperis! augustique lares! o munera nondum intellecta Deum!

Sonntags, als die Predigt aus, die ja wohl so gut gewesen,
Als wir sie gemeiniglich in den Hauspostillen lesen,
Ließ die Stadtmaus sich gefallen, für das Tor hinaus zu gehn,
Allda frische Luft zu schöpfen, und die Felder zu besehn.
Eben dieses hatte sich auch die Feldmaus vorgenommen;
Als sie nun von ungefähr auf den Weg zusammen kommen,
Und sich unvermutet sahen, war es beiden angenehm,
Denn sie waren alte Freunde, und Gevattern außerdem.
„Herr Gevatter, geh doch mit,“ fing die Feldmaus an zu sagen,
„Und verschmäh nicht Hausmannskost: Hab ich nicht viel aufzutragen,
Hoffen wir doch satt zu werden; meine beste Schüssel ist
Deines Wirtes guter Wille, der dir nichts im Haus verschließt.“
„Ja!“ versetzte diese drauf, „wär es endlich in der Wochen,
Könnt ich schon noch mit dir gehn; doch heut bin ich schon versprochen,
Und bereits zu Gast gebeten, weil man, nach Gewohnheit, meist
Sonntags Abends, in den Städten, mit einander kostbar speist.
Doch es sei vor diesesmal, ich gewähr dich deiner Bitte,
Und nehm heut mit dir vorlieb, führ mich nur in deine Hütte,
Muss man doch nicht immer schmausen.“ Also gingen beide fort,
Kamen auch, nach einer Weile, zu dem angezeigten Ort,
Wo die Feldmaus in dem Wald ihre Wohnung eingegraben.
Alldort krochen sie hinein: Da sollt man gesehen haben,
Was die Stadtmaus vor Gesichter, was vor tolle Mienen zog,
Wie sie große Augen machte, und so Haupt als Fuß bewog;
Es kam ihr unmöglich für, eine Stunde hier zu leben,
Und sie wünschte, dass sie sich nie in dieses Loch begeben,
Das so schmutzig, eng und dunkel, einsam, wüst und fürchterlich,
Weil in dieser wilden Gegend niemand leicht vorüber strich. Weiterlesen

Werbeanzeigen