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25.1 Von wunderbarer Theorie, Tanzbären und Tartaren bei Gellert

In dem Zank zwischen Gottsched und den Schweizern verortet sich auch Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769) und zwar erstmal auch theoretisch. In seiner Schrift Von dem Nutzen der Fabel (1744) schlägt er sich klar auf die Seite von Breitinger und des ‚Wunderbaren‘. Das Besondere in seiner Theorie und das Erfolgsrezept seiner Praxis – 1746/47 veröffentlicht er gleich zwei Bücher von Fabeln und Erzählungen, 1754 folgt ein drittes – ist seine volksnahe Sprache und überhaupt Darstellung. Und ebenfalls wie Breitinger findet er auch, dass die Fabel eigentlich ihre Moral deutlich genug machen sollte – aber sicher ist sicher. Also schauen wir es uns so und so an, und einmal mit Tieren und einmal mit Menschen. Lest selbst…

Der Tanzbär

Ein Bär, der lange Zeit sein Brot ertanzen müssen,
Entrann und wählte sich den ersten Aufenthalt.
Die Bären grüßten ihn mit brüderlichen Küssen
Und brummten freudig durch den Wald.
Und wo ein Bär den andern sah:
So hieß es: Petz ist wieder da!
Der Bär erzählte drauf, was er in fremden Landen
Für Abenteuer ausgestanden,
Was er gesehn, gehört, getan!
Und fing, da er vom Tanzen red’te,
Als ging er noch an seiner Kette,
Auf polnisch schön zu tanzen an.

Die Brüder, die ihn tanzen sahn,
Bewunderten die Wendung seiner Glieder,
Und gleich versuchten es die Brüder;
Allein anstatt, wie er, zu gehn,
So konnten sie kaum aufrecht stehn,
Und mancher fiel die Länge lang darnieder.
Um desto mehr ließ sich der Tänzer sehn;
Doch seine Kunst verdross den ganzen Haufen.
„Fort,“ schrien alle, »fort mit dir!
Du Narr, willst klüger sein als wir?“ Weiterlesen

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