Archiv der Kategorie: Rätsel

42.7 Maltesische Rätsel zwischen Orient und Okzident

Von Syrien aus steuern wir so langsam wieder in Richtung Mitteleuropa und gelangen so auf unserer (vorerst) letzten Rätseletappe nach Malta, wo wir uns im maltesischen Gemisch europäischer und orientalischer Erzähltraditionen wieder langsam akklimatisieren können. Rätselt selbst…

Maltesische Rätsel

Ein Junge schlägt seine Mutter.
– Lösung: die Glocke

Sie isst Schwarzes und mistet Rotes.
– Lösung: die Flinte

Recht hübsch lang ist sie; schneid’ mit rundem Schnitte von ihr ab ein kleines Stückchen und leg’s in ein Körbchen.
– Lösung: die Wurst

Rot wie Feuer, und doch kein Feuer; sie lässt Wasser hervorquellen und ist doch keine Quelle. Weiterlesen

42.6 Schön-schwierige Rätsel aus Syrien

Von Afrika geht es heute nach Syrien und damit zu einem Land, das für seine Erzählkultur zurecht berühmt ist. Und wie ist das mit den Rätseln? Ratet selbst…

Syrische Rätsel

Ich weiß etwas, das ist schwarz und ist kein Ochse; es fliegt und ist kein Vogel; es läuft und ist kein Wolf; rate was es ist oder gib mir Damaskus, dass ich es aufesse und auftrinke. – Nimm dir Damaskus, antwortet der andere, welcher das Rätsel nicht lösen kann. – Damaskus, ich will dich aufessen und auftrinken; ich will auf eine weiße Stute steigen, die mit einem Sprung nach hause springt, und du sollst hungrig bleiben; warum hast du nicht gesagt: der Mistkäfer.

Ich weiß etwas, das, wenn es keine Speise bekommt, zwanzig Tage hungern kann, und wenn es Speise bekommt, wird es nicht satt.
– Lösung: der Wolf

Ich weiß drei Wölfe; einer liegt da und steht nicht auf, einer wird nicht satt, so viel er auch frisst, und einer entflieht.
– Lösung: Asche, Feuer und Rauch

Ich weiß etwas, das ist ein Brett und nicht von Holz; es frisst Blätter und ist doch kein Zicklein.
– Lösung: die Schildkröte

Ich weiß etwas, das ist die Hälfte seiner Lebenszeit tot und die Hälfte seiner Lebenszeit lebendig; wenn es stirbt, wird die Rechnung zusammengezählt.
– Lösung: der Mensch

Ich kenne ein weißes Zimmerchen, das hat keine Tür, darin sind zwei Soldaten; als es gebaut wurde, wurde es um die Soldaten errichtet.
– Lösung: Ei mit Eiweiß und Dotter

Ich weiß etwas, das ist blind; es hat weder Füße noch Flügel und läuft doch.
– Lösung: das Wasser

Ich kenne etwas, das schläft nicht, weder bei Nacht noch bei Tag; wenn es sich niederlegt, so entschwindet seine Besinnung nicht, sondern es schließt nur seine Augen.
– Lösung: der Hund

Ich kenne etwas, das braucht zehn Tage, bis es sein Haus gemacht hat mit seiner Frau; sie bekommen einen Sohn und zwei Töchter, aber eine Tochter stirbt; Gott will es so.
– Lösung: die Fliege

Ich weiß etwas, das geht nie auf einem Wege und hat keine Flügel, aber die Menschen machen es fliegen; es ist blind und hat weder Fleisch noch Knochen an seinem Körper.
– Lösung: der Stein

Ich kenne etwas, es gibt nichts plumperes und nichts hässlicheres als dies; sowohl der Mann als die Frau verdrehen ihr Maul und schielen mit den Augen; sie begatten sich mit einander zugekehrten Hintern.
– Lösung: das Kamel

Ich kenne etwas, das begräbt man und zieht es gesund wieder heraus: dann schlägt man es und tötet es; man kommt und benetzt es, drückt es und kocht es am Feuer.
– Lösung: der Weizen

Ich weiß etwas, das ist zwischen Himmel und Erde, seine Haut ist aus einem Stück: es ist ein Arzt; man tötet es und nimmt das, was in seinem Bauche ist, heraus und isst es.
– Lösung: der Granatapfel

Ich kenne etwas zwischen zwei Bergen: Nachts fällt ein Berg auf dasselbe, und der andere legt sich darunter; Gott beschützt es, dass es nicht von den Bergen zerquetscht wird. Sein Kopf schaut nach unten, seine Beine nach oben; es schwebt zwischen Himmel und Erde.
– Lösung: das männliche Glied

Ich kenne etwas, dessen Kopf ist größer als sein Hinterteil, an seinem Rücken kann es umgebogen werden; es trägt etwas, das größer ist als es selbst, und bringt es nach Hause: leer geht’s hinaus und beladen kehrt’s heim.
– Lösung: die Ameise

Ich weiß etwas Rundes und weiß etwas Langes; das Lange sprach zum Runden: „Ich bin süß.“ Aber das Runde sagte zum Langen: „Nach dir suchen die Hühner nicht; aber nach mir sehr wohl.“ Da spaltete sich das Lange vor Zorn.
– Lösung: Mais- und Weizenkorn

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Ja doch, man muss feststellen, Rätsel aus Syrien sind auch beeindruckend kunstvoll. Meine Ratequote ist entsprechend schlecht. Und das wo ich gerade im Sherlock Holmes-Fieber bin, im Lese- und Fernsehrausch (dabei: vergesst Sherlock und erjagt die ältere britische Adaption der Originalerzählungen mit Jeremy Brett!).

 
Textquelle: E. Prym und A. Socin: Syrische Sagen und Märchen aus dem Volksmunde. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1881, S. 368–372.

42.5 Kurze und lange afrikanische Rätsel

Aus Asien machen wir nun einen Riesensatz und landen in Afrika. Los geht es mit einigen knappen Rätselsprüchen der Shambala bzw. Shambaa, einem Volk in Tansania. Danach kommen wir zu einem wirklich kunstvollen, kleinen Rätselmärchen der Zulu, einem weiteren Bantu-Volk. Aber rätselt los…

Rätsel der Shambala

Dort in der Wüste schnäuzt sich ein Mkuafi die Nase. Alle Leute fürchten sich. Was ist das?
– Lösung: der Löwe

Ich gehe in ein Gebüsch; dort höre ich einen Topf mit Maiskörnern brodeln. Was ist das?
– Lösung: der Bienenkorb

Hier ist er; hier ist er. Greife ihn! Was ist das?
– Lösung: der Schatten

Der Fellmantel meines Großvaters bedeckt die ganze Erde.
– Lösung: die Wolken

Es gibt ein Haus, das hat keine Tür.
– Lösung: Ei

Tag und Nacht hat es keine Ruhe.
– Lösung: das Wasser

Schürze dein Kleid, wir wollen in den Ameisenhaufen treten.
– Lösung: der Tau – denn, so erklärt Hr. Seidel freundlicherweise, auf Tau zu treten prickelt, wie in einen Ameisenhaufen zu treten, und schon habe ich wieder was gelernt

Ein Rätsel

Rate einen Mann, der den König spielt. Er tut nichts, sondern sitzt ganz still. Seine Leute arbeiten allein, er selbst tut nichts. Er zeigt ihnen, was sie wünschen, aber er tut nichts. Seine Leute können nicht sehen, er sieht für sie. Sie sind blind, sein ganzes Volk, er allein kann sehen. Sie wissen, dass sie durch ihn sehen, obwohl sie selbst nicht sehen können. Denn sie gehen nicht, ohne dass sie etwas wünschen. Er nimmt sie bei der Hand und führt sie dahin, wo die Speise ist, und sie bringen sie in ihr Haus. Aber er selbst rührt nichts an, denn er ist König. Er bleibt immer König, denn er hilft seinen Untertanen.

Zuerst entstand ein Streit und seine Leute sagten: „Du kannst nicht unser König sein und nichts tun; wir fühlen sonst die Macht deiner Herrschaft nicht.“ Er aber antwortete: „Da ihr sagt, ich sei kein König, so will ich still sitzen und zu Boden schauen. Dann werdet ihr sehen, dass ich wirklich ein König bin; denn wenn ich zu Boden schaue, so wird das Land öde sein, ihr werdet in Gruben und Abgründe stürzen, von wilden Tieren verschlungen werden, da ihr sie nicht seht, und Hungers sterben, da ihr nichts zu essen findet. Weil ihr mit mir streitet, seid ihr blind!“

Nun sahen sie ein, dass er ein König war und sprachen: „Lasst uns offen anerkennen, dass er unser König ist, damit wir leben können. Wenn wir Hungers sterben, wird die Majestät, die wir für uns in Anspruch nehmen, schnell zu Ende gehen. Wir sind nur Könige, wenn wir leben.“ So wurde er als König anerkannt und regierte, und das Land war glücklich.

Er ist ein Mann, der sich niemals wäscht, er sitzt immer nur still. Und wenn ihn nur die geringste Krankheit befällt, so gerät all sein Volk in Bedrängnis, Hungers zu sterben, und die Leute fürchten sich das Haus zu verlassen, weil sie in Abgründe stürzen und zerschellen würden. Sie flehen für seine Gesundheit und freuen sich, wenn es ihm gut geht.

Auflösung: das Auge.

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Ich nehme mal an, das Zulu-Rätsel ist im Original noch rätselhafter. Ich habe auch fieberhaft überlegt, ob mir für sehen/schauen etwas einfällt, was nicht gleich das Auge verrät, aber ohne Erfolg. Und überhaupt geht es wohl mehr um die Regeln zwischen Herrschern und Beherrschten.

 
Textquelle: A. Seidel: Geschichten und Lieder der Afrikaner. Berlin: Schall & Grund 1896, S. 177 und 268–269.

44.4 Burjatische Rätsel zu Häusern, Zelten und Seen

Die Burjaten sind ein mongolisches Volk, dessen Territorien jedoch seit Jahrhunderten zu Russland gehören. So gibt es neben den traditionellen nomadischen Viehzüchtern, auch viele Burjaten, die sesshaften Ackerbau betreiben und dem Christentum angehören.

Dieser Zwiespalt – wenn man es so nennen will – spiegelt sich auch in der Erzähltradition und somit auch in den Rätseln. Wie natürlich auch die riesige Rolle, die der ebenfalls riesige Baikalsee im Leben der Burjaten spielt. Aber rätselt erst einmal selbst…

Burjatische Rätsel

Auf dem Scheitel maß ein langer Mensch mit den Armen.
– Lösung: die Milchstraße – eigentlich, wie Hr. Seidel erklärt, des Himmels Naht oder Weg

Ohne Mund mit Stimme versehen, ohne Ruhm mit einem Namen begabt.
– Lösung: das Echo

Auf dem Hügel sind sieben Löcher.
– Lösung: das Gesicht

In der Grube zwanzig Ziegen.
– Lösung: die Zähne

Galba beleckte die Erde.
– Lösung: die Stiefelsohle – dabei ist, so Hr. Seidel, Galba hier ein beliebiger Eigenname

Auf dem Eise eine silberne Schale.
– Lösung: der Mond

War es auch kleiner als du, warf es dich fort. Weiterlesen

42.3 Keine Komischen, sondern Komi-Rätsel

Heute geht es also wirklich nicht um ‚komische‘ Rätsel – oder höchstens zufällig –, sondern um Rätsel der Komi, früher auch Syrjänen bzw. heute Syrjanen genannt, die die namensgebende Bevölkerungsgruppe der Republik Komi in Russland sind. Es handelt sich um eine Gruppe von Völkern, deren Sprache zu den finno-uigurischen gehört.

Allein in dem Buch, aus dem ich heute abgeschrieben habe, finden sich 294 (!) Komi-Rätsel. Oft handelt es sich jedoch um beinahe identische Varianten, die nur für die Forschung interessant sind. Andere – zu bestimmten Werkzeugen, Wetterlagen, Alltagssituationen – sind kulturhistorisch spannend, sagen uns heute aber gar nix. Also habe ich so an die 20 ausgesucht, auf die wir realistisch kommen können. Aber rätselt selbst…

Komische Rätsel

In jeder Stube liegt eine Schwiegertochter mit dem Gesicht gegen die Wand.
– Lösung: die Axt

Ein Viehhof voller Schafe, aber nur ein Schwanz.
– Lösung: die Brote im Ofen samt Brotschaufel

Ein Kahlkopf tauchte in ein zottiges Loch hinein.
– Lösung: das Anziehen eines Fausthandschuhes

Unter der Diele ein feuchtes Kalb.
– Lösung: die Zunge

Tags eine Bank, aber nachts eine Semmel.
– Lösung: der Hund

Man haut Holz in Petrograd, die Späne aber fallen hierher. Weiterlesen

42.2 Buntgemischte Rätsel aus dem schönen Litauen

Auf unserer Rätselweltreise kommen wir heute nach Litauen, wo es nicht nur wunderschöne Landschaften, sondern auch prima Rätsel gibt. Ein paar philosophische Highlights in einem Füllsel von Rätseln zu einer Alltagskultur, mit der wir nicht mehr viel anfangen können. Da habe ich also ein bißchen danach ausgewählt, was wir – als Mitteleuropäer des 21. Jahrhunderts – auch realistisch erraten können. Rätselt also selbst…

Litauische Rätsel

So hoch wie ein Dach, so klein wie eine Maus, so süß wie Honig. Was ist das?
– Lösung: der Apfel

Zwei Schwestern kommen über ein Berglein nicht zusammen. Was ist das?
– Lösung: die Augen

Bald größer als ein Dach, bald kleiner als eine Maus; grün wie Gras, süß wie Honig. Was ist das?
– Lösung: die Birne

Ein blindes Täubchen flattert durch die ganze Welt. Was ist das?
– Lösung: der Brief

Ein gestoßenes Mütterchen schäumt. Was ist das?
– Lösung: der geknetene Brotteig

Ein verstricktes Verflochtenes jagt die Sperlinge durch das Dickicht. Was ist das?
– Lösung: die Bürste

In der Ferne wiehert ein Ross, in der Nähe tönt der Zaum. Was ist das?
– Lösung: der Donnerschlag

Ein kleines Fässchen, ohne Dauben und ohne Reife, innen zweierlei Bier. Was ist das? Weiterlesen

42.1 Deutsche Rätsel – oder: auf der Suche nach der Frage zur Antwort in der Frage

Heute läute ich die 42. Woche, in der es im Märchensammler Texte der Volksdichtung zu lesen gibt. Bislang habe ich mich dabei auf erzählende Texte konzentriert, also auf Fabeln, Legenden, Zaubermärchen usw. Natürlich haben die Erzähltraditionen der verschiedenen Völker noch mehr zu bieten und deswegen kommen wir diese Woche zu Rätseln. Denn welche Woche wäre da besser geeignet als die 42. Schließlich ist die 42 ja, wie wir dank Douglas Adams’ Hitchhiker’s Guide to the Galaxy wissen, die Antwort auf die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und eben Allem. Nur die Frage ist wohl nach wie vor ein Rätsel und also auf zur Trainingswoche im Rätselraten. Und wenn das jetzt keine elegante Ein- und Überleitung war. Räusper.

Los geht es, wie kann es anders sein, auf der dieswöchigen Märchen- oder eigentlich Rätselweltreise in deutschen Landen. Verrückterweise waren die gar nicht so einfach zu finden. Aber wer lange sucht und also, um euch nicht länger auf die Folter zu spannen, rätselt los…

Ach, noch eine Sekunde. Die Lösung findet ihr, wenn ihr mit eurer Maus die Stelle nach der Lösung markiert. Jetzt aber –

Deutsche Rätsel

Ein rotes Ställchen
Voll weißer Hühnerchen
Was ist das?
– Lösung: der Mund mitsamt Zähnen

Es kommt vom Leben,
Hat kein Leben,
Und kann doch jedem
Antwort geben.
– Lösung: die Schreibfeder

Oben eine Seele,
Unten eine Seele,
In der Mitt’ ein Leder:
Rat’, mein lieber Peter!
– Lösung: Reiter, Pferd und Sattel

Sage mir, Kindchen,
Wo ist das zu schau’n:
Es bellt ein rot’ Hündchen
Durch ’nen knöchernen Zaun?
– Lösung: die Zunge zwischen den Zähnen

Erst seh’ ich weiß wie Schnee,
Dann bin ich grün wie Klee,
Dann werd’ ich rot wie Blut
Und schmeck’ allen Kindern gut. Weiterlesen