Archiv der Kategorie: Tiermärchen

253. Wie das Stierkälbchen und das Ziegenböckchen die Wölfe erschreckten

Heute zeigen zwei Jungtiere, das es auch ohne erwachsene Beschützer geht – wenn man nur dreist genug ist.

Wie das Stierkälbchen und das Ziegenböckchen die Wölfe erschreckten

In viel früheren Zeiten zog ein Ail* von seiner Winterweide fort, weil ein Dsud** ausbrach. Aber unter dem Schnee blieben ein einjähriges Stierkälbchen und ein Ziegenböckchen ausweglos und völlig erschöpft zurück, so erzählt man. Mit dem Frühling kam bald die Schneeschmelze, frisches Grün spross, und sobald es warm genug war, kamen eben jene beiden Jungtiere unter dem Restschnee hervor. Als sie, nachdem sie ein bisschen zu Kräften gekommen waren, gemeinsam losliefen, fanden sie auf dem Weg eine Wolfshaut.

Sie nahmen sie mit sich und liefen weiter, bis in der Steppe eine weiße Jurte sichtbar wurde. Das Stierkälbchen und das Ziegenböckchen steuerten darauf zu. Als sie bei der weißen Jurte angekommen waren, legten sie die Wolfshaut draußen zurück und traten ein. Drinnen aber schmausten sieben, große Wölfe bei einem Trinkgelage. Weiterlesen

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252. Der Spatz mit dem Kropf – oder ein Kettenmärchen zum Thema „Selbst ist noch das kleinste Vögelchen!“

Heute gibt es ein Tiermärchen, das zugleich ein Kettenmärchen ist und auch noch eine Moral hat. Drei Dinge auf einmal, das geht nun wirklich nicht? Lest selbst!

Der Spatz mit dem Kropf

In früheren Zeiten lebte ein kleiner Spatz, der seinen stets mit Körnern gefüllten Kropf sehr lieb hatte,so erzählt man. Als er sich eines Tages, nachdem er geschäftig auf der Suche nach Körnern umhergeflogen war und sein Kropf besonders gut gefüllt war, auf einen Erbsenstrauch setzte, wollte der doch seinen Kropf aufschlitze!

Empört flog der Spatz daraufhin zur Ziege, um sie den Erbsenstrauch aufessen zu lassen. „Frau Ziege, Frau Ziege, der Erbsenstrauch hat meinen geliebten Kropf aufschlitzen wollen! Bitte gehen sie zum Erbsenstrauch und essen Sie ihn auf,“ sagte er. Die Ziege sagte: „Das sagst Du so, dass ich Deinen Strauch essen soll. Vorher muss ich aber noch das Gras hier zu Ende essen.“

Empört flog der Spatz daraufhin zum Wolf, um ihn die Ziege fressen zu lassen. Weiterlesen

251. Der kluge Bär

In mongolischen Tiermärchen brauchen nicht nur neugierige Jungpferde manchmal einen Retter. Auch andere Nutztiere geraten in jungen Jahren gerne in Not und statt dem kleinen Hasen, der nur durch Mutterwitz helfen kann, greift im folgenden Tiermärchen der kluge und starke Bär einem Kälbchen unter die Arme. Gegen wen es Hilfe braucht? Lest selbst…

Der kluge Bär

Es war einmal ein Kalb, das den Anschluss an seine Herde verloren hatte. Zu allem Überfluss war es auch noch von einer Biene gestochen worden, und so rannte es in der sommerlichen Hitze mit hochaufgerichtetem Schwanz aufgeregt durch die Steppe, bis es sich schließlich in einem weit, weit entfernten Wald verirrte. Dort traf es einen alten, erfahrenen Wolf.

„Da stehe ich auf und da kommt ein verwaistes, weißes Kälbchen angerannt. Ja, Dich werde ich verschlingen,“ sagte der Wolf. Das Kalb bekam Angst und fing an zu zittern. „Sind Sie etwa ein sogenannter Wolf? Ich bin so ein schönes Tier, und Sie wollen mich fressen. Das glaube ich nicht,“ sagte es. „Du mußt mir nicht schmeicheln. Das hat Dir wohl eine Mutter gezeigt. Ich kann auf das Lob verzichten. Seit ewigen Zeiten verfluchen mich Menschen und Tiere,“ sagte der Wolf und ihm lief schon das Wasser im Mund zusammen. Er riss sein Maul weit auf, als von einer Waldlichtung plötzlich ein starker Braunbär auf die beiden zukam. Weiterlesen

Die zwei guten Pferden – oder: 250. Märchen im Märchensammler!

Wie angekündigt, gibt es zum Neustart des Märchensammlers einen Monat voller mongolischer Tiermärchen. Ihr wisst schon – die schönsten, klügsten, lustigsten und also einfach tollsten Märchen der Welt. Meiner bescheidenen Meinung nach.

Heute gibt es nicht nur direkt ein Paradebeispiel, sondern zugleich das – Achtung: Trommelwirbel – 250. Märchen im Märchensammler!!

Aber lest selbst…

Die zwei guten Pferde

Vor langer, langer Zeit sehnten sich zwei Pferde, die an einen weit entfernten Ort verkauft worden waren, nach ihrer Heimat und beschlossen, zurück nach Hause zu laufen. Das eine von den beiden Pferde war jedoch alt geworden und konnte irgendwann nicht mehr weiter. Dem jungen Pferd gab es folgende Ratschläge mit auf seinen Weg:

„Nun, mein junges Geschwisterchen, laufe schön auf dem Weg entlang zurück. Dein betagter älterer Bruder wird jetzt sterben. Brüderchen, weiche nicht vom festen Weg ab. Gehe nicht auf ein braunes, sich schemenhaft bewegendes Etwas zu. Mache nicht die Öffnung eines verschnürten Etwas auf.“ So belehrte es seinen jungen Gefährten.

Das junge Pferd lief zögerlich alleine weiter. Zunächst blieb es brav auf dem Weg. Doch bald sah es am Horizont die Umrisse eines sich schemenhaft bewegenden, braunen Etwas, so erzählt man. Zwar hatte es die Ratschläge des älteren Gefährten nicht vergessen, aber es konnte seiner Neugier nicht widerstehen. Es wollte dieses Etwas untersuchen. Als es das braune Ding erreichte, war es ein Sack, dessen Öffnung fest verschnürt war. In dem Sack aber schien ein Lebewesen zu stecken. Er bewegte sich. Wieder konnte das Pferd seiner Neugier nicht widerstehen. Es musste sehen, was aus dem Sack zum Vorschein kommen würde. Weiterlesen

41.1 Der Hase und die Schildkröte – oder: Die koreanische Märchenwoche ist eröffnet

Diese Woche verschlägt es uns nach Korea, nachdem ich es doch noch geschafft habe, eine gemeinfreie Textquelle aufzutun. Es handelt sich um eine deutsche Übersetzung der englischsprachigen Sammlung Korean Tales (1889) von Horace Newton Allen, einem US-amerikanischen Arzt, Missionar und Diplomat. Er kam zunächst als Leibarzt des Königs an den koreanischen Hof; später brachte er es zum Konsul. Allen trug mit dazu bei, koreanische Literatur und Folklore durch seine Übersetzung im ‚Westen‘ bekannt zu machen.

Auch sein deutscher Übersetzer Hr. H. G. Arnous kannte Korea aus eigener Erfahrung. Laut Hans-Alexander Kneider kam er zu Beginn der 1880er nach Korea und war ab Ende des Jahrzehnts bis 1903 im Zollamt beschäftigt. Das heißt, er arbeitet offiziell in koreanischen Diensten. Hintergrund hierfür ist das Handelsabkommen zwischen dem koreanischen Königreich Joseon und dem Deutschen Reich.

Des Englischen war er aber offenbar nicht absolut mächtig, wenn er – und das als Zollbeamter! – in der Einleitung wie in verschiedenen Märchen die Landeswährung ‚cash‘ heißen lässt. Also Englisch für schlicht ‚Bargeld‘. Tatsächlich hieß die koreanische Währung bis 1892 Mun und danach erstmal Yang. Ebenso hat er erklärende Einschübe von Hrn. Allen gestrichen. Vielleicht sogar aus editorisch vorbildlichem Eifer, handelte es sich doch um künstliche Zufügungen zum Märchentext. Schließlich muss ja kein Koreaner einem anderen erklären, warum und wie ihr Speicher heißt. Nur wäre es ja hübsch gewesen, die Erklärungen als Anmerkungen mitzuliefern, aber nix ist. Ich reiche sie euch also nach dem englischen Original nach.

Jetzt aber ohne weiteren Aufschub zum ersten Märchen, das gleich ein wunderschönes Tiermärchen ist. Lest selbst…

Der Hase und die Schildkröte

Als der Fischkönig einst in seinem Reiche umher schwamm, sah er einen fetten Wurm dicht vor seinen Augen auf- und niederhüpfen und gierig nach ihm schnappend, geriet ein Angelhaken in seinen Rachen. Es gelang ihm jedoch bald die Leine, an welcher der Haken mit dem Wurm befestigt war, zu zerreißen und so dem traurigen Schicksale zu entgehen, seinen königlichen Leichnam den gewöhnlichen Sterblichen zur Nahrung hingeben zu müssen.

Alle Großen des Reiches, vom Wallfische an bis zur Schildkröte wurden an das Krankenlager des Königs berufen. Sie erschienen mit ernsten Gesichtern und jeder nachdenkend, auf welche Weise der Haken wohl aus dem königlichen Schlunde entfernt werden könne. Endlich meinte die Schildkröte, dass das einzige dazu wirksame Mittel Umschläge von einem Paar ganz frischer Hasenaugen wären. Den Rat fand man wohl gut, woher aber ein Paar frische Hasenaugen bekommen? Auch hierfür wusste die Schildkröte Abhilfe; sie sagte, sie kenne einen Hasen und würde es versuchen ihn zum Palaste zu bringen. Sobald sie ihn jedoch hergeleitet haben würde, wolle sie sich wieder entfernen, es wäre dann Sache der Ärzte dem Hasen die Augen herauszunehmen, ihr wäre der Anblick von Blut zuwider, und sie könne es nicht riechen. Der König bedankte sich huldvoll für den guten Rat und die Schildkröte wusste wohl, dass ihr Glück gemacht sei, wenn es ihr nur gelänge des Hasen habhaft zu werden. Weiterlesen

39.1 Das Märchen vom Halbhahn – als Auftakt zur albanischen Märchenwoche

Diese Woche gibt es im Märchensammler albanische Märchen. Ihr dürft euch auf feinen Sinn für Humor, die Kraft der Lüge und schicke Zaubermärchen freuen. Den Anfang macht heute ein Tiermärchen in deutlichem Schwankton. Soll heißen, es ist nicht underb. Seid also gewarnt und lest nun selbst…

Das Märchen vom Halbhahn

Es lebte einmal ein Greis und eine Greisin. Diese zwei alten Leute hatten nichts außer ihr Leben, einen Halbhahn und eine Katze. Der Halbhahn gehörte dem Greis, die Katze aber der Alten. Der Halbhahn aber hatte nur ein Bein.

Eines Tages sagte der Halbhahn zu dem Alten: „Vater, ich gehe auf die Wanderschaft.“ „Ja, willst du mich denn allein lassen?“ fragte der Alte den Halbhahn. „Ja, ich will auf Wanderschaft gehen.“ Und der Halbhahn ging auf die Wanderschaft.

Unterwegs traf er einen Wolf. „Wohin gehst du, Halbhahn?“ fragte der Wolf. „Ich gehe auf Wanderschaft.“ „Kann ich auch mitkommen?“ fragte der Wolf. „Ja, komm nur! Aber du ermüdest gewiss.“ „Nein, ich ermüde nicht.“ Während sie gingen, ermüdete der Wolf. „Halbhahn, ich bin müde!“ „Krieche in meinen Hintern,“ sagte ihm der Halbhahn. Da kroch ihm der Wolf in den Hintern.

Während sie weitergingen, traf der Halbhahn eine Biene. Da fragte die Biene den Halbhahn: „Wohin gehst du, Halbhahn?“ „Ich gehe auf Wanderschaft.“ „Kann ich auch mitkommen?“ fragte die Biene. „Ja, komm nur! Aber du wirst müde werden.“ „Nein, ich werde nicht müde.“ Sie machten sich also gemeinsam auf. Da wurde die Biene müde. „Halbhahn, ich bin müde.“ „Kriech in meinen Hintern.“ Da kroch ihm die Biene in den Hintern.

Während sie weitergingen, traf der Halbhahn auf einen Fluss. Und der Fluss fragte ihn: „Wohin gehst du, Halbhahn?“ „Ich gehe auf Wanderschaft.“ „Kann ich da auch mitkommen?“ „Nein, du wirst müde,“ sagte der Halbhahn. „O nein! Ich komme mit!“ Während sie gingen, ermüdete auch das Wasser. „Halbhahn, ich bin müde!“ „Kriech in meinen Hintern.“ Und der Fluss kroch ihm ihn den Hintern. Weiterlesen

34.5 Der Tiere Herbstgespräch

Heute gibt es noch ein Tiermärchen, das diesmal jedoch vielmehr das Wissen um die Eigenheiten der eigenen Tiere zeigt. Lest selbst…

Der Tiere Herbstgespräch

Im Herbst, wenn der scharfe Wind bläst, beginnt die Ziege, weil sie erfroren ist, sich auf der Weide zu schütteln, und schreit damit der Hirt sie nach Hause treibe, so laut sie kann: „Mich friert schon weh!“ Der Widder, der noch nicht nach Hause mag, weil er einen warmen Pelz hat, geht um die Schafe herum, und antwortet der Ziege verdrießlich: „Noch liegt ja kein Schnee!“ Zur Kirchenweih’ hat’s das Flügelvieh gut; es bekommt Brocken von den Kuchen und manchmal auch eine Handvoll Korn. Das gefällt dem Hahn, er schlägt mit den Flügeln, streckt den Hals und fragt: „Wie lang’ noch schmausen wir so froh?“ Der Gänserich, der im Hof herumwackelt, antwortet ihm: „’ne Woche lang, ’ne Woche lang,“ und der Enterich stimmt ihm bei: „Sieben Tag’, sieben Tag’.“ Aber das abgespänte Kalb im Stalle, das kein Futter bekommt, weil die Magd in’s Wirtshaus zur Musik ist, und sich dort verspätet hat, und das nun hört, wie lang noch die Kirchweih’ währen soll, das klagt erbärmlich. „Muh, muh! Hu, hu!“

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Und natürlich das Wissen warum, wie sehr die Einschätzung von etwas als negativ oder positiv von der eigenen Perspektive abhängt. Also doch wieder mit Moral sozusagen.

 
Textquelle: Westslawischer Märchenschatz. Ein Charakterbild der Böhmen, Mährer und Slowaken in ihren Märchen, Sagen, Geschichten, Volksgesängen und Spruchwörtern. Deutsch bearbeitet von Joseph Wenzig. Mit Musikbeilagen. Leipzig: Lorck 1857, S. 128.

34.2 König Iltis – ein tschechisches Tiermärchen

Ihr wisst ja, kein Land im Märchensammler ohne wenigstens 1-2 Tiermärchen oder Fabeln aus seiner Tradition. Das heutige Märchen ist von der Länge her eher ein Tiermärchen, inhaltlich aber eher eine Fabel beziehungsweise fast schon eine Parabel, die auch für die heutige Zeit zu denken gibt – ganz ohne Monarchie. Aber lest selbst…

König Iltis

Einst wurden die Frösche mit ihrer alten Verfassung unzufrieden; sie quakten und quakten so lange, bis sie endlich unter Quaken den langbeinigen Storch zu ihrem König wählten. Als dies die Hühner und Hennen sahen, wollten sie hinter den Fröschen nicht zurückbleiben; sie meinten, es wäre gut, wenn sie auch ihren König hätten. Sie hielten daher einen allgemeinen Landtag und begannen sich zu beraten. Alle waren bisher eines Sinnes gewesen. Als es aber dazu kam, wer König sein solle, begannen sie zu zanken und zu hadern; denn niemand wollte dulden, dass der andere über ihn herrsche, sondern jeder hätte selbst gern über die andern geherrscht. Es stellten sich die Hähne zum Kampfe, und hackten mit den Schnäbeln auf einander los, dass die Federn von einander stoben und ihre Kämme bluteten. Weiterlesen

31.2 Vom Löwen, Pferd und Fuchs

Natürlich muss es auch ein Tiermärchen aus Sizilien geben, denn sonst wäre der Märchensammler ja nicht der Märchensammler. 🙂 Aber lest selbst…

Vom Löwen, Pferd und Fuchs

Der Löwe war einmal in einen Engpass geraten und konnte nicht wieder heraus. Da kam eben ein Pferd vorbei, und der Löwe rief ihm zu: „Hilf mir aus diesem Engpass heraus.“ „Das will ich schon tun,“ antwortete das Pferd, „versprich mir aber, dass du mich nicht fressen willst.“ Der Löwe versprach es, und das Pferd arbeitete so lange mit seinen Hufen, bis es den Löwen frei gemacht hatte. Als der sich aber frei sah, sprach er: „Jetzt fresse ich dich.“ „Wie waren die Bedingungen?“ sagte das Pferd, „hatten wir nicht ausgemacht, du wolltest mich nicht fressen?“ „Das ist jetzt einerlei,“ rief der Löwe, „wenn du aber willst, so gehen wir vor einen Schiedsrichter.“ „Gut,“ erwiderte das Pferd, „wen wählen wir aber dazu?“ „Den Fuchs,“ sprach der Löwe.

Das Pferd war es zufrieden, und sie gingen zum Fuchs, und der Löwe legte ihm die Frage vor. „Ja,“ antwortete der Fuchs, „es kommt mir vor, als wenn Ihr recht haben müsstet, Herr Löwe; ich kann aber kein Urteil fällen, wenn ich nicht vorher gesehen habe, wie ihr beide standet.“

Also gingen sie alle drei zum Engpass, und das Pferd stellte sich auf denselben Platz, wo es vorher gestanden hatte. Den Löwen aber hieß der Fuchs sich wieder in den Engpass drücken. „Standet Ihr gerade so?“ fragte er. „Dieses Bein war noch ein wenig mehr gedrückt,“ antwortete der Löwe. »Nun, so presst Euch nur noch ein wenig; Ihr müsst Euch genau so hinstellen, wie Ihr in dem Augenblicke waret, als Ihr das Pferd um Hilfe batet.“ Der Löwe drückte sich noch ein wenig, und der Fuchs fragte wieder: „Standet ihr gerade so?“ „Dieses Vorderbein war noch ein wenig weiter drin.“ „Nun, so presst Euch noch ein wenig weiter hinein.“ Endlich hatte sich der Löwe so fest hineingepresst, dass er nicht wieder heraus konnte. „So,“ sagte der Fuchs, „jetzt seid Ihr gerade so weit, wie vorher; nun kann das Pferd zusehen, ob es euch noch einmal helfen will.“ Das Pferd aber wollte nicht, sondern warf so lange Steine herunter, bis es den Löwen erschlug.

„Ja, ja, der Fuchs ist schlau!“

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Also ich muss sagen, diese Tiermärchen finde ich super spannend. Jetze aus meiner nerdigen Wissenschaftlerperspektive. Denn nicht nur, dass es ähnliche Märchen überall auf der Welt gibt, hier sind zudem jede Menge Typen verbunden. Eins ist allerdings immer gleich: Der Räuber verliert. Allerdings ist der Fuchs wohl selten der Helfer.
 
Textquelle: Sicilianische Märchen. Aus dem Volksmund gesammelt von Laura Gonzenbach. Mit Anmerkungen Reinhold Kößler’s und einer Einleitung herausgegeben von Otto Hartwig. Zweiter Theil. Leipzig: Verlag von Wilhelm Engelmann 1870, S. 76-78.
Bildquelle: Das von einem Löwen erschreckte Pferd (1770) von George Stubbs (1724-1806)

30.1 Der Affe und der Leopard – wie es die Märchen der Suaheli/Swahili erzählten

Diese Woche gibt es Märchen der Suaheli. Ich dachte, mal wieder so ein Abstecher in weitere Ferne könnte nix schaden. Und ja, heute spricht man von ‚Swahili‘, aber da meine Textgrundlage wie immer etwas älter ist und ich nicht unnötig Verwirrung stiften will, folgen wir Herrn Velten in seiner eh auf einem arabischen Begriff und damit einer Fremdbezeichnung beruhenden Schreibweise für die alte Kultur der ostafrikanischen Küste.

Los geht es heute mit einem Tiermärchen. Lest selbst…

Der Affe und der Leopard

Es war einmal ein Affe. Der sagte: „Ich bin nicht kräftig, ich werde mir einen Stärkeren aussuchen und mit ihm Freundschaft schließen.“ Er begab sich zu einem Leoparden und schloss Freundschaft mit ihm.

Sie lebten zusammen. Eines Tages brachen sie auf und gingen, bis sie an einen großen Baum kamen, und ruhten dort aus. Jener Baum aber hatte sehr viele Dornen. Der Leopard sagte nun zum Affen: „Du Affe, kannst Du auf den Baum klettern? Klettere hinauf und sieh nach, von welcher Seite Krieg, von welcher Friede kommt.“ Weiterlesen