Archiv der Kategorie: Legende

41.6 Sim Chung, die gute Tochter – in einem Märchen um Pflicht, Schicksal und doch auch Liebe

Auch heute gibt es ein Märchen, in dem um Liebe und Pflicht geht. Mit einer vorbildlichen Tochter, kaum Bösewichtern und dafür einem funkelnden Palast unter Wasser. Aber lest selbst…

Sim Chung, die gute Tochter

Sim Hyung, oder Herr Sim, war in dem Dorfe, in welchem er lebte, hoch geachtet. Er gehörte der Klasse der Yang-Ban, also den Edelleuten, an. Wenn er daher die Straße entlang ging, tat er dies mit dem vornehmen ausholenden Schritt seiner Klasse. Und wenn er auf seinem Lieblingsesel ritt oder im Stuhle getragen seinen Beschäftigungen nachging, lief stets ein Diener voraus, welcher den Leuten, die ihm begegneten, zurief, Platz zu machen, damit sein Herr ungehindert passieren könne. Er bekleidete keinen hohen Rang, obgleich seine Kenntnisse hochgeschätzt wurden; das Gehalt, welches ihm seine Stelle einbrachte, genügte kaum zu den nötigsten Bedürfnissen, Privatvermögen besaß er nicht und konnte daher nur bei größter Sparsamkeit seinem Stande gemäß leben.

Er war so glücklich gewesen von seinen Eltern an ein ebenso schönes als gut erzogenes Mädchen verheiratet worden zu sein. Dieselbe ward wegen ihrer Schönheit und Liebenswürdigkeit von jedermann gerühmt und ihre geistigen Fähigkeiten wurden weit und breit anerkannt. Nicht allein konnte sie das einheimische Ernmum* lesen, sondern war auch in den chinesischen Schriftzeichen bewandert. Aber diese hochgebildete Jungfrau war auch in, allen weiblichen Handarbeiten sehr geschickt. Ihre kunstvoll in Seide und Gold ausgeführten Stickereien waren der Stolz ihrer Eltern und Freunde, und als sie einst einen Abschnitt der Geschichte Koreas mit prachtvollen chinesischen Schriftzeichen in Seide gearbeitet hatte, machte ihr Vater dem Könige damit ein Geschenk. Diesem gefiel die schöne Arbeit so sehr, dass er sie zu einem Wandschirm verwenden ließ, den er stets neben die Matte, auf welcher er saß, zu stellen befahl, um die kunstvolle Arbeit immerfort anschauen zu können.

Sim war zuerst gar nicht von der Wahl seiner Eltern erfreut, da er ein Vorurteil gelehrten Frauen gegenüber hatte, als aber seine Zukünftige bei der Hochzeitsfeierlichkeit ihr Antlitz entschleierte und er ihre bezaubernden Züge sah, war er so sehr von ihrer Lieblichkeit berauscht, dass er kaum das Ende der Zeremonien erwarten konnte, um sie für ewig sein zu nennen.

Die Ehe war eine überaus glückliche. Einer schien für den anderen geschaffen zu sein und jeder gerade die Eigenschaften zu besitzen, die der andere am höchsten schätzte, sodass beide Teile sehr mit der Wahl zufrieden waren, welche die beiderseitigen Eltern getroffen hatten. Oft saßen sie abends beim Mondschein im Garten, der sich an die Frauengemächer anschloss und machten Pläne für die Zukunft. Ihr einziger Wunsch bestand darin, einen Sohn zu haben; doch Jahre gingen dahin, ohne dass ihnen ein Kind geboren wurde. Die Frau befragte Priesterinnen und der Mann wurde ganz trübsinnig und zog sich von allem Verkehr mit Menschen zurück, denn er glaubte die Leute rechneten es ihm zur Schande an, kinderlos zu sein. Er lebte nur mit seinen Büchern und vernachlässigte seine Gattin, welche er nie mehr in ihren Gemächern aufsuchte. Infolge dieser ununterbrochenen geistigen Tätigkeit und des einsamen Lebens fing er an zu kränkeln, wurde mager und bleich und seine Augen verloren ihren Glanz. Seine Frau trug ihr Missgeschick standhafter und gab die Hoffnung, Kinder zu bekommen, nicht auf, obwohl sie sich schämte keinen anderen Namen zu haben als ‚die Frau des Sim‘ und es doch so sehnlich gewünscht hatte, sich ‚die Mutter des kleinen Sim‘ genannt zu hören, von dem sie beide Tag und Nacht geträumt hatten. Endlich blieben auch diese Träume aus.

So waren ihnen fünfzehn Jahre vergangen, als die Frau wieder einen Glück verheißenden Traum hatte: sie sah einen Stern vom Himmel auf sich herabfallen. Sogleich schickte sie zu ihrem Gemahl und sagte ihm, dass sie fest glaube, jetzt würde sich ihr Wunsch er füllen – und ihre Hoffnung täuschte sie nicht. Ein Kind wurde ihnen geboren; aber statt des erwarteten Knaben war es nur ein Mädchen. Trotzdem beide Eltern gern einen Sohn gehabt hätten, freuten sie sich doch sehr, dass sie nach fünfzehnjährigem Warten doch noch ein Kind bekommen hatten und nahmen sich vor, ihre kleine Tochter recht herzlich zu lieben.

Das Elternpaar wurde durch dieses gemeinsame Familienband wieder inniger verbunden und das Kind wuchs unter ihren Augen prächtig heran. Es blieb von allen Kinderkrankheiten verschont und überwand selbst die Pocken so glücklich, dass sein Gesicht nicht von den schrecklichen Narben verunziert wurde, welche diese Krankheit so oft hinterlässt. Als die Kleine drei Jahre alt war, schien es, dass sie noch schöner als ihre Mutter werden würde. Ihre Wangen glichen aufgeblühten Rosen und jedesmal wenn sie ihren kirschroten Mund öffnete und ihre kleinen Perlenzähne zeigte, sagte sie etwas Kluges und Angenehmes oder brach in ein silberhelles Lachen aus. Die früher so trübseligen Eltern lebten in dem Kinde wieder auf und waren voll Stolz über das Lob, welches seiner Klugheit und Schönheit gezollt wurde. Der Vater vergaß fast, dass es ein Mädchen war und behielt es den ganzen Tag um sich, seine Schritte behütend und es vor allem Schaden bewahrend.

Doch dies Glück war zu groß, um für lange Zeit zu dauern. Die Mutter der kleinen Sim ward krank und starb plötzlich. Der Gatte war der Verzweiflung nahe, weinte und wehklagte Tag und Nacht über den Verlust seines Weibes und als er endlich seine Gemächer verließ und sich vor Menschen zeigte, war seine Gestalt gebeugt, sein Haar gebleicht und seine Augen von den vielen vergossenen Tränen tot. Er war erblindet. Da der Vater sich nun nicht mehr um den Lebensunterhalt seines Kindes durch eigene Arbeit kümmern konnte, so fing er an Stück für Stück seines ganzen Eigentums zu verkaufen und nach zehn Jahren war alles, selbst das Haus, in dem sie wohnten, in andere Hände übergegangen. Jetzt musste der Vater betteln und seine Tochter, die inzwischen zur Jungfrau herangewachsen war, durfte ihn nach den Landesgesetzen, welche den erwachsenen Mädchen in einem gewissen Alter verbieten auszugehen, nicht mehr begleiten. Eines Tages hatte der arme Blinde das Unglück in eine mit Wasser angefüllte Grube zu fallen.

Lange Zeit bemühte er sich vergebens aus derselben herauszukriechen, als er sich ihm nähernde Schritte hörte und nun um Hilfe rief: „Hilf mir Armen,“ schrie er, „ich bin blind und nicht etwa betrunken.“ „Ich weiß, dass du nicht betrunken, sondern erblindet bist, doch dir kann geholfen werden,“ antwortete die Stimme des Herankommenden. „Wer bist du, dass du so genau über meine Verhältnisse Bescheid weißt?“ fragte Sim. „Ich bin der Priester aus dem Tempel der Bergfeste,“ erwiderte der Fremde. „Du meinst, das Augenlicht könne mir wiedergegeben werden?“ fragte der Blinde. „Ja,“ gab ihm der Priester zur Antwort, „ich hatte einen Traum, dich betreffend. Im Falle du dem Buddha meines Tempels ein Opfer von dreihundert Sack Reis bringst, wirst du dein Augenlicht wieder erhalten. Du wirst dann einen hohen Beamtenposten bekommen und reich an Ehren und Würden werden und deine Tochter wird zur vornehmsten Frau im ganzen Reiche erhoben.“ „Aber ich bin alt und arm,“ entgegnete Sim, „wie kann ich wohl solch fürstliches Opfer bringen?“ „Du brauchst es nicht gleich zu geben,“ sagte der Priester, „gib mir nur ein schriftliches Versprechen, den Reis zu opfern, die Zeit der Erfüllung aber überlasse ich dir.“ „Schon recht,“ antwortete Sim, „gib mir Papier und Tinte, dann will ich versuchen die Schrift zu verfassen.“

Sie gingen in ein Haus und dort schrieb der Blinde, dem der Priester die Hand führte, das Versprechen, dreihundert Sack Reis zu geben, wofür er wieder sehend werden sollte. Müde, hungrig und an allen Gliedern wie zerschlagen kehrte Sim in seine Wohnung zurück, wo er sich lächelnd seines Versprechens, dreihundert Sack Reis zu liefern, erinnerte, während er nicht so viel Reis besaß, um seinen Hunger stillen zu können.

Endlich war es ihm gelungen eine Beschäftigung zu finden, bei welcher er einen kärglichen Verdienst hatte. Man beschäftigte ihn mit Reinigen und Aushülsen von Reis. Es war schwere Arbeit für ihn, Tagelöhnerdienst zu verrichten, aber er tat sie gern, denn so konnte er sich selbst und sein Kind vor der bittersten Not schützen. Kam er dann abends von der Arbeit heim, so fand er stets einen sauber gedeckten Tisch mit Speisen, welche von seiner Tochter selbst bereitet waren. Eines Abends als er sich gerade auf die Matte vor seinem Tisch niedergelassen hatte und sein einfaches Mahl verzehren wollte, erschien der Priester aus dem Tempel der Bergfeste, um ihn an sein Versprechen zu erinnern. Sim verging aller Hunger, denn nun musste er seiner Tochter von dem schriftlich gegebenen Versprechen erzählen, wovon er bisher geschwiegen hatte. So sehr diese sich auch freute, dass die Erfüllung des Versprechens ihrem Vater das Augenlicht wiedergeben sollte, so war sie doch von der Unmöglichkeit überzeugt, es jemals einlösen zu können. Weiterlesen

41.5 Ching Yuh und Kyain Oo, die Liebe der Sterne

Heute gibt es noch eine epische Liebesgeschichte mit unzähligen dramatischen Verwicklungen, großartigen Fieslingen. Mit anderen Worten – Dallas/Denver Clan nix dagegen. 😉 Aber lest selbst…

Ching Yuh und Kyain Oo, die Liebe der Sterne

Ching Yuh und Kyain Oo waren Sterne, welche der Sonne zu dienen hatten. Sie verliebten sich ineinander und heirateten, nachdem sie die königliche Erlaubnis dazu erhalten hatten. Diese Verbindung war eine sehr glückliche Zeit für sie, denn sie lebten einer für den anderen und lasen sich die Wünsche von den Augen ab. Sie hielten sich fortwährend umfangen, und es schien, als wolle ihr Honigmonat nie zu Ende gehen. Da sie jedoch durch ihre Liebeständelei unaufmerksam und nachlässig in ihrem Berufe wurden, so beschloss der Herr des Himmels, sie zu bestrafen. Er trieb sie auseinander, und verbannte den einen an die äußerste Spitze des östlichen Himmels, den anderen an das äußerste Ende in entgegengesetzter Richtung, dem großen Flusse gegenüber, welcher die Ebene des Himmels teilt*. Auf diese Weise waren sie so weit voneinander getrennt, dass sie gerade ein halbes Jahr brauchten, um sich zu treffen, oder ein ganzes Jahr zur Hin- und Rückreise. Da sie aber zur jährlichen Inspektion auf ihren Posten sein mussten, und die weite Reise nicht für die kurze Freude, auf eine Nacht zusammen sein zu können, unternehmen wollten, selbst wenn sie den erhaltenen Befehlen ungehorsam gewesen wären, so mussten sie sich damit begnügen, sich von den Ufern des breiten Stromes aus zu besuchen und dies ging nur zu der Zeit möglich zu machen, wenn die Krähen die große Brücke über den Fluss fertig gemacht hatten. Die Krähen tragen nämlich das Material zu dieser Brücke auf ihren Köpfen herbei, was jedermann wissen muss, der sich die Mühe gegeben hat zu beobachten, wie kahl die Köpfe der Krähen im siebenten Monat des Jahres sind.

Natürlich werden die Liebenden sehr entmutigt und traurig darüber, dass sie sich nach einer so kurzen Glücksdauer so bald und so weit wieder trennen müssen und man wird es nicht wunderbar finden, wenn sie vor Kummer weinen. Sie weinen dann aber so viel, dass die ganze Erde davon mit Regen überschüttet wird. Diese traurige Zusammenkunft kommt mit seltener Ausnahme nur einmal im Jahre vor und zwar am siebenten Tage des siebenten Monats. In einem solchen Ausnahmefall tritt die gewöhnliche Regenzeit nicht pünktlich ein, und dann vereinigt die durstige und vertrocknete Erde ihre Klagen mit denen der Liebenden, deren vermehrte Leiden sie so traurig machen, dass selbst die Tränen sich weigern, ihnen Erleichterung zu verschaffen.

I.

You Tah Yung war ein sehr weiser Beamter und ein ausnehmend guter Mensch. Mit großem Unbehagen sah er auf die Schlechtigkeit der meisten seiner Kollegen und beschloss um die Erlaubnis zu bitten, sich vom öffentlichen Leben zurückziehen zu dürfen, damit er den Rest seines Lebens auf dem Lande zubringen könne. Da er so glücklich gewesen war, eine vortreffliche Frau gefunden zu haben, so hoffte er, sich die Einförmigkeit des Landlebens doch so angenehm wie möglich zu machen. Seine Gattin war eine Dame von hervorragenden Eigenschaften des Herzens und des Geistes, so dass sie bei den gleichen Lebensansichten und Neigungen den Verkehr mit ihren Mitmenschen nicht vermissten.

Nur eine Sorge hatten sie: Ihre Ehe war kinderlos. Wenn You Tah Yung seine Ländereien übersah und sich ihres guten Gedeihens freute, so fühlte er, dass er doch nur ganz glücklich sein könne, wenn er einen Erben besäße.

Er füllte seine Zeit mit dem Fischfang aus und lauschte dem Gesänge der Vögel, um sich in der schönen Natur zu vergnügen. Wenn aber im Frühjahr die Vögel sich paarten, wurde er ganz missgestimmt und beklagte sein trauriges Geschick, dass mit ihm sein Name aussterben sollte, denn er war der letze seines Geschlechtes. Er machte sich darüber besonders schwere Gedanken, dass seine Vorfahren erzürnt darüber sein würden, wenn er kinderlos stürbe; ja er fürchtete, sie im Jenseits nicht wieder zu sehen, wenn er nicht einmal jemand hinterließe, der an seinem Grabe betete und seinem Geiste Opfer brächte. Auch sein treues Weib klagte mit ihm und riet ihm, sich von ihr zu scheiden und eine andere Frau zu nehmen; davon wollte er aber nichts hören und sagte, er würde unter keinen Umständen den schönen Frieden ihrer Ehe stören.

Statt dass das Unglück diese guten Menschen trennte, führte es sie nur um so inniger zusammen; da beide aber sehr fromm waren, so vereinigten sie ihre Gebete um einen Erben. Einmal geschah es, dass die Frau mitten im Gebet einschlief und einen wunderbaren Traum hatte. Sie sah eine Erscheinung in der Nähe des Nordsternes. Ein bildschöner Knabe kam, auf einem weißen Fächer reitend, vom Sterne herab auf sie zu. Als sie ihn fragte, wer er sei und woher er käme, antwortete er ihr: „Ich bin ein Diener des Nordsterns und ward eines begangenen Fehlers halber für lange Zeit auf die Erde verbannt; ich habe den Auftrag dir den weißen Fächer zu übergeben, welcher dereinst dein Leben und das meinige retten wird.“ – Als die Frau aufwachte, sah sie zu ihrem Schmerze, dass alles nur ein Traum gewesen und nun dachte sie an nichts anderes mehr als an diesen schönen Traum.

Und wirklich, im Laufe der Zeit ward jener Traum Erfüllung; als die große Flut kam, gebar sie einen Knaben. Die ganze Nachbarschaft verwunderte sich des schönen Kindes und alle Leute hatten ihre Freude an seiner Klugheit. Die ersten zehn Jahre nach der Geburt des Knaben vergingen den Eltern wie ein Festtag. Sie nannten ihren Sohn ‚Pan Noo‘ und da der Familienname ‚You‘ war, so hieß das Kind You Pan Noo.

Die ersten Anfangsgründe der Wissenschaft lehrte ihn die Mutter, doch je älter er wurde, desto klüger ward er auch und bald waren weder Vater noch Mutter imstande das Kind zu unterrichten, welches so außergewöhnliche Fortschritte machte. Zu der Zeit lebte in einer entfernten Provinz ein berühmter Lehrer, namens Nam Juh Oon, dessen Klugheit von jedermann bewundert ward; zu diesem beschlossen die Eltern ihren Sohn zu geben, obwohl ihnen die Trennung von ihm sehr schwer wurde. Als der Trennungstag herangekommen, entließen ihn die Eltern mit ihren Segenswünschen und gaben ihm einen wunderbar schönen Fächer, ein altes Familienstück, mit auf den Weg. Sie gaben ihm auch den Rat, recht sorglich auf den Fächer zu achten, von dem sie glaubten, er würde Pan Noo zu einem Talisman werden, weil derselbe jenem so gliche, den die Mutter damals im Traume gesehen. Weiterlesen

41.4 Chun Yang Ye, die treue Tänzerin – oder: eine laaange koreanische Liebesgeschichte

Heute gibt es eine Liebesgeschichte in (langer!) Legendenform. Lest selbst…

Chun Yang Ye, die treue Tänzerin

Der Präfekt Ye Tung Uhi lebte in der Stadt Nam Won, in der südlichen Provinz Chull Lah Dò. Er hatte einen Sohn, welcher sechszehn Jahre alt war und als einziges Kind sehr verhätschelt wurde. Der Jüngling war hübsch von Gesicht, hatte eine schöne Gestalt und galt als das Muster eines guten Sohnes, da er außerdem auch noch sehr talentvoll war. Er bewohnte eines der Hintergebäude in der Amtswohnung seines Vaters und brachte den ganzen Tag mit seinem Studium zu. Abends ging er stets zu seinem Vater, erkundigte sich nach seinem Befinden und wünschte ihm eine angenehme Nacht und morgens war seine erste Beschäftigung, dass er fragte, wie sein Vater geruht habe und wie sein Gesundheitszustand sei.

Der Präfekt war erst soeben in diese Provinz versetzt und zu seiner jetzigen Stellung erhoben worden, als sich die folgenden Begebenheiten abspielten.

Der kalte Winter, den der Sohn meistens im Hause zugebracht hatte, war vor dem nahenden Frühling geflohen und als die Bäume zu knospen begannen, das Wetter wärmer wurde und die Vögel zu zwitschern anfingen, dachte der fleißige Jüngling Ye Toh Ryung oder kurzweg Toh Ryung genannt, er wolle auch die Frühjahrszeit genießen. Wie das Getier, welches seinen Winterschlaf gehalten hat, sich freudig an der Sonne wärmt und in derselben neu aufzuleben scheint, so auch Toh Ryung. Er entzückte sich an allem, was er sah und befragte seinen Pan San – den ihn begleitenden Diener – nach den schönsten Plätzen der Umgebung. Dieser, ein Einheimischer der Provinz, gab mit Vergnügen den gewünschten Bescheid, war aber von einem Orte ganz besonderen Lobes voll, indem er sagte: „Die schönste Szenerie bietet Kang Hal Loo dar und alle Beamten besuchen diesen Platz. Die Tempel dort sind mit den Namen der Besucher bemalt, welche die schöne Gegend preisen.“ „Gut,“ antwortete ihm Toh Ryung, „gehen wir auch dorthin. Reise du voraus und mache alles zu meiner Ankunft bereit.“

Der Diener hatte nichts Eiligeres zu tun, als den Befehlen seines jungen Herrn nachzukommen und als dieser in Kang Hal Loo anlangte, war er sehr zufrieden mit den Anordnungen, welche der Diener getroffen hatte. Er hatte ihm in einem der schönsten Tempel ein Unterkommen besorgt und alle Bequemlichkeiten für einen längeren Aufenthalt herbeigeschafft. Der Fußboden war mit neuen schönen Matten bedeckt und weiche Polster luden zum Ausruhen ein. Toh Ryung ließ sich auf einem derselben nieder und freute sich der prachtvollen Aussicht; obgleich er todmüde war, rief er doch seinen Pan San herbei und gab seiner Zufriedenheit über die gute Unterkunft und prachtvolle Aussicht Ausdruck, indem er sagte, er fände alles so herrlich, dass selbst Götter damit zufrieden sein müssten und es gewiss auch wären.

„Ja,“ antwortete ihm der Diener hocherfreut, „es ist so, wie du sagst, selbst Geister erfreuen sich öfters an dem Anblick dieser schönen Gegend und wohnen als Gäste in den Räumen, welche jetzt die deinigen sind.“

Während dieser Rede des Dieners sah der Herr, welcher seine Blicke ins Freie hinaus schweifen ließ, plötzlich die Gestalt eines sehr schönen Mädchens in der Luft schweben, und ebenso schnell wieder verschwinden. Toh Ryung glaubte einen Geist gesehen zu haben. Ehe er sich ganz von seinem Erstaunen erholt hatte, erschien und verschwand die Gestalt schon wieder. Es war ein junges Mädchen, welches, sich schaukelnd, vor den Blicken der Erstaunten auf- und niederschwebte. Toh Ryung konnte sich von dem lieblichen Anblick gar nicht losreißen und als das Mädchen längst aufgehört hatte sich zu schaukeln, war er noch immer nicht mit sich einig, ob die schwebende Gestalt ein Geist oder ein menschliches Wesen war, oder ob er vielleicht gar nur geträumt.

Sein Diener überzeugte ihn aber bald, dass die liebliche Erscheinung kein Geist gewesen sei, sondern eine öffentliche Tänzerin. „Sie heißt Yang Ye,“ fuhr er fort, „und wohnt nur wenige Schritte von hier entfernt mit ihrer Mutter, welche Uhl Mah genannt wird.“ „Oh!“ rief Toh Ryung, „das trifft sich ja ganz prächtig. Geh sogleich zu den Frauen und bescheide die Tänzerin zu mir, damit sie vor mir singe und tanze.“

In der Zeit, welche der Diener zu seiner Botschaft gebrauchte und die ziemlich lang währte, weil er bis zur Vorderfront des Hauses laufen musste, in welchem Uhl Mah wohnte, denn sie hatten das Mädchen von der Gartenseite her gesehen, wusste sich Toh Ryung vor Ungeduld nicht zu lassen.

Der Diener klopfte mit aller Macht an die Haustür, die zu Uhl Mahs Wohnung führte und rief die Tänzerin beim Namen. „Wer ruft nach mir?“ fragte diese, auf den Lärm aufmerksam gemacht. „Wer dich ruft ist ganz gleich,“ antwortete ihr dar Diener, „mache du nur die Tür auf.“ Nachdem sie ihm geöffnet hatte, fragte die Tänzerin: „Wer bist du und was willst du von mir?“ „Ich bin nichts und ich will nichts,“ entgegnete ihr der Diener, „aber Ye Toh Ryung, der Sohn des Präfekten, wünscht ‚den blühenden Frühling‘ zu sehen.“ Dies war nämlich die Bedeutung des Namens Chun Yang Ye. „Wer hat denn Toh Ryung meinen Namen gesagt?“ fragte ihn die Tänzerin. „Das tut gar nichts zur Sache, wer ihm deinen Namen gesagt hat,“ erhielt sie zur Antwort. „Wenn du nicht wünschst, öffentlich gekannt zu sein, musst du dich nicht schaukeln, dass dich jedermann sehen kann. Mein Herr kam hierher, um die Naturschönheiten zu bewundern und nun will er nichts anderes mehr sehen, seitdem er dich erblickte. Er ist ein sehr anständiger junger Mann, du hast nichts von ihm zu befürchten und wenn du ihm Freude mit deinem Tanz gemacht hast, wird er dich reichlich belohnen, denn er ist der einzige Sohn des Präfekten.“

Die Tänzerin seufzte tief auf und bedauerte zu der Klasse zu gehören, die nichts anderes zu tun hat, als den Launen der Großen zu gehorchen. Sie kleidete sich an, machte sich so hübsch als nur möglich und folgte dann dem Diener zu dem Tempel, worin Toh Ryung seine Wohnung aufgeschlagen hatte. Dann wartete sie geduldig an der Tür der Vorhalle, bis ihre Ankunft dem Sohn des Präfekten gemeldet worden war, denn einer Gee Sang – einer öffentlichen Tänzerin – ist es verboten ohne Erlaubnis die Wohnung eines Edelmannes zu betreten. Toh Ryung ließ sie bitten näher zu kommen.

„Wie heißt du? Und wie alt bist du?“ fragte er sie. „Ich heiße Chun Yang Ye,“ antwortete sie mit silberheller Stimme, „und ich bin zweimal acht Jahre alt.“ Lachend erwiderte Toh Ryung: „Das passt ja sehr gut, ich bin viermal vier Jahre alt. Wir haben also das gleiche Alter. Du bist sehr schön,“ fuhr er fort, „dein Name bezeichnet deine Gestalt und deine Wangen blühen wie die zarten Blumen, welche der Frühling bringt. Deine Augen sind klar wie die des Adlers, dabei aber sanft wie der Mondschein! Wann ist dein Geburtstag?“ fragte er weiter. „Mein Geburtstag,“ antwortete die geschmeichelte Schöne, „fällt auf den achten Tag des vierten Monats. Gerade um die Mitternachtsstunde wurde ich geboren.“ Und dabei bemerkte sie mit Vergnügen, welch einen guten Eindruck ihre Worte auf den Jüngling machten. „Ist es möglich!“ rief freudig erstaunt Toh aus, „das ist ja gerade am Tage des Laternenfestes; an diesem Tage bin auch ich geboren, aber nicht erst um zwölf, sondern schon um elf Uhr. Ich bedauere es, nicht eine Stunde später das Licht der Welt erblickt zu haben, dann wären wir ganz genau gleich alt. Trotzdem glaube ich aber, dass die Götter bestimmte Zwecke damit verbanden, uns einen gemeinsamen Geburtstag zu geben und uns in unserm sechszehnten Lebensjahre zusammenzuführen. Es muss in der Absicht des Himmels liegen, uns durch eine Heirat zu verbinden.“

Erschrocken sprang Chun Yang auf, um davon zu laufen, doch er hieß ihr, sich ruhig wieder niederzusetzen, lief aber selbst im Zimmer auf und nieder und wusste vor Aufregung nicht, was er reden sollte. Endlich fasste er sich und sagte: „Oft schon habe ich mir in lauen Frühlingsnächten von schönen Gee Sang vortanzen und vorsingen lassen, oft auch schon besang ich sie in selbst gedichteten Versen, aber noch nie habe ich an einer mein Herz verloren, wie ich auch noch nie eine gesehen habe, welche dir an Schönheit gleich käme. Du erscheinst mir mehr, als eine gewöhnliche Sterbliche, du bist mir von Anfang an bestimmt gewesen und ich will kein anderes Mädchen als dich heiraten.“

Chun Yang Ye legte ihre Stirn in Falten, obwohl sie sich beinahe von den zärtlichen Worten des Jünglings gefangen nehmen ließ, und bedachte die Folgen, welche ihr und ihm aus einer Heirat erwachsen würden. Dann sagte sie: „Du weißt es, dass eines Edelmannes Sohn keine Gee Sang ohne Erlaubnis seiner Eltern heiraten darf; ich bin nun leider dem Namen nach und vom Geschick auserkoren eine Gee Sang. Aber ich bin bisher ein ehrbares Mädchen gewesen und will es auch bleiben.“ „Gewiss,“ sagte Toh, „wir können nicht die sechs öffentlichen Zeremonien vornehmen*, aber wir können uns im Geheimen verheiraten.“ „Nein, das ist unmöglich,“ erwiderte die Tänzerin, „dein Vater würde nie seine Einwilligung dazu geben und sollte er einstmals von hier versetzt werden, so würdest du nicht den Mut haben, mich mit dir zu nehmen. Dann würdest du dir eine Lebensgefährtin aus deinem Stande nehmen und mich bald vergessen. Es kann und es darf nicht sein,“ beschloss sie ihre Rede indem sie sich erhob, um fortzugehen.

„Bleibe noch,“ bat er. „Du tust mir Unrecht; ich werde dich nie vergessen und nie ein anderes Weib als dich nehmen. Das schwöre ich dir und du weißt der Mund eines Yang Ban – eines Edelmannes – ist nicht doppelzüngig, er kann nicht lügen. Sollten wir wirklich den Aufenthalt in dieser Provinz aufgeben müssen und ich im ersten Augenblick verhindert sein, dich mit mir zu nehmen, so will ich bald zu dir zurückkehren. Du musst mir nicht widersprechen und dich nicht länger weigern.“ „Aber, nehmen wir an, du vergisst dein Versprechen,“ entgegnete sie, noch immer zögernd. „Ein Versprechen ist bald gegeben, aber es halten ist schwer. Gib mir das Versprechen, dass du mich heiraten willst, schwarz auf weiß, dann will ich dir glauben und nicht länger widerstehen.“ Weiterlesen

39.4 Der heilige Nikolaus und der Teufel in San Giovanni di Medua – oder: Der Preis des Verstandes

Heute gibt es eine Ortslegende, die uns zugleich – voll prickelnder Selbstironie – etwas über die albanische Mentalität verrät. Oder zumindest die albanischer Kaufleute, von der die Hafenstadt San Giovanni di Medua seit der Antike und bis ins Mittelalter lebte. Aber lest selbst…

Der heilige Nikolaus und der Teufel in San Giovanni di Medua

Der liebe Gott hatte, als er den ersten Menschen erschuf, für alle Menschen zusammen, angefangen vom Vater Adam durch alle Generationen bis herab zum letzten Menschen, nur dreihundert Gramm oder Dirhems Verstand. Mehr hatte er nicht, unter sie zu verteilen. Wie hätten nun mit so wenig Verstand so viele Köpfe gefüllt werden sollen, die auf der Erde herumlaufen? Wahrlich, das ging nicht! Gibt’s doch manchen Dickschädel, für den auch sechs Oka nicht ausreichen würden. Geschweige denn, dass dreihundert Dirhems genügt hätten, die unter alle Menschen verteilt werden mussten, wobei auf jeden nur ein ganz kleines Stückehen kommen konnte, das nicht ausgereicht hätte, um einen Gallapfel zu füllen. Daher kommt es, dass die Menschen, so alt sie auch werden, einen Schädel haben, der wie ein leeres Kellergewölbe, oder wie ein ausgehöhlter Kürbis ist. Und darum kann jedermann erkennen, dass wir alle, soviel wir auch auf Erden sind, im Schädel, im Gebälk unseres Gehirns jeder ein Brett zu wenig haben. Das heißt, wir haben alle Mangel an Verstand und jeder seine Portion Narretei: Aber das ist jedermanns eigene Sorge.

Nun aber ging die Sache immer schlechter und schlechter, denn je mehr sich die Köpfe auf Erden vermehrten, umso geringer wurden die Portionen Verstand in den einzelnen Köpfen. Aber Gott, der Allmächtige, der von seinem Throne aus die Schicksale der Menschen sieht und erkennt, er wollte den mit Verstand nur so leicht bepackten Adamssöhnen in ihrer geistigen Armut helfen. Darum sagte er eines Tages zum heiligen Nikolaus: „Wenn ich von meinem Platze aus die Dinge der Welt betrachte, dann staune ich über die Menschen, dass es ihnen noch immer nicht in den Kopf gegangen ist, dass sie Brüder sind auf Erden, und dass es doch keine feine Sache ist, wenn sie einander die Schädel einschlagen. Ursache hiervon ist, glaube ich, nur, weil ich unter sie zu wenig Verstand verteilt habe. Darum begib dich jetzt hinunter auf die Erde und belade eine Galeere mit Verstand und fahre aus und verkaufe Verstand an jeden, der ihn kaufen will. Aber zum Schluss muss ich dir noch einschärfen: Du musst ihn verkaufen so teuer, wie der Sohn, der seine Mutter zu Markte bringt; denn Verstand ist teurer als Schafe!“ Weiterlesen

28.4 Erkhii mergen

Zum Abschluss unserer mongolischen Legendenwoche gibt es noch einmal eine echte Berühmtheit, die in einem Schwung Murmeltier, Wüstenrennmaus und Schwalbenschwanz erklärt. Und alles nur, weil ein gewisser junger Mann den Mund zu voll nehmen musste, aber lest selbst…

Erkhii mergen

In längst vergangenen Zeiten kreisten sieben Sonnen um die Erde und brachten eine furchtbare Dürre. Der Erdboden wurde rissig, die Flüsse versiegten, die Pflanzen verdorrten, die Tiere verhungerten. Auch die Menschen litten unter der Hitze, sahen aber keinen Ausweg. Es gab in dieser Gegend jedoch einen herausragenden und stattlichen Bogenschützen namens Erkhii mergen, der mit seinem Bogen auf das schoss, was er sah, und das traf, auf was er schoss. Die Menschen und Tiere kamen zu ihm und baten: „Bitte schieß die vielen Sonnen vom Himmel hinunter und vernichte sie.“

Der Bogenschütze Erkhii mergen bildete sich viel auf seine Treffsicherheit ein und hielt sich für einen kühnen, stolzen und starken Menschen. So leistete er denn folgenden Schwur: „Wenn ich die sieben Sonnen nicht mit sieben Pfeilen herunter schießen kann, will ich mir die Daumen abschneiden und nicht ein länger ein Mann sein. Ich werde kein klares Wasser mehr trinken, das trockene Gras vom Vorjahr essen und als Murmeltier in einem dunklen Erdloch leben.“

Also schoss er von Osten aus auf die sieben Sonnen, die nacheinander von Osten nach Westen über den Himmel zogen. Nachdem er die sechste Sonne abgeschossen hatte, zielte er sorgfältig auf die siebte. Aber gerade in diesen Moment kam eine Schwalbe angeflogen und verdeckte die Sonne. Als sich nun der Pfeil von Erkhii mergens Bogen löste, traf er nicht die Sonne sondern den Schwanz der Schwalbe. Deswegen hat die Schwalbe bis heute einen gegabelten Schwanz. Die letzte Sonne aber hatte Angst, doch noch getroffen zu werden, und verbarg sich hinter den Bergen im Westen.

Erkhii mergen dachte bei sich: „Die Schwalbe hat mich behindert.“ Und so machte er sich mit seinem buntgescheckten Pferd auf, um den Vogel zu verfolgen und zu töten. Sein Pferd versprach ihm: „Ich will die Schwalbe von Abenddämmerung zu Abenddämmerung verfolgen. Wenn ich sie bis dahin noch nicht eingeholt habe, dann hacke mir die Beine ab und wirf sie fort. Dann will ich nicht länger ein Reitpferd sein, sondern an einem rauen, unebenen Ort leben.“ Weiterlesen

28.3 Die Legende von Khökhöö Namdschil

Heute gibt es eine der berühmtesten Legenden, die es daher in unzähligen Varianten gibt. Schön und herzzerreißend sind sie aber alle. Lest selbst…

Die Legende von Khökhöö Namdschil

Vor langer Zeit lebte an der östlichen Grenze der Mongolei ein Mann namens Khökhöö Namdschil. Weil er eine einzigartig wunderschöne Stimme hatte, war er in seiner Heimat sehr berühmt. Aber dann musste Khökhöö Namdschil seinen Militärdienst leisten und ging an die westliche Grenze der Mongolei. Sein Vorgesetzter bemerkte sofort seine schöne Stimme und anstatt Khökhöö Namdschil normalen Dienst leisten zu lassen, ließ er ihn die drei Jahre bis zum Ende seiner Militärzeit Lieder vortragen.

Doch eines Tages bat Khökhöö Namdschil die Verwaltungsbeamten: „Ich war noch kein einziges Mal draußen bei dem Vieh und bin geritten. Und obwohl es mir hier eigentlich sehr gut geht, so fehlt mir doch etwas. Erlauben Sie mir doch für einige Tage die Pferde zu versorgen.“

„Der Zeitpunkt deiner Entlassung ist nah und du hast uns mit deiner Stimme erfreut. Dieses eine Mal magst du also, wie du es wünscht, für fünf Tage mit einer Pferdeherde reiten,“ erwiderten sie. So trieb Khökhöö Namdschil seine Herde und kam schließlich an das Ufer eines Sees, wo er seine Pferde tränkte. Als er dort am Ufer stand, erschien ein Mädchen in einem grünen Seidendeel, das auf einem schönen, schwarzen Pferd ritt.

„Meine Eltern schicken mich, um Sie zu ihnen zu führen,“ sagte sie.

Khökhöö Namdschil fragte: „Wie soll ich denn zu ihnen gelangen?“ Weiterlesen

28.2 Warum sich das Kamel in der Asche wälzt

Natürlich gibt es auch Legenden, ätiologische Tiermärchen, in denen die Entstehung oder das Aussehen von Tieren erklärt werden. Eine spezielle Herausforderung war da offenbar das Kamel. Lest selbst…

Warum sich das Kamel in der Asche wälzt

Als vor langer Zeit die Namen der Tiere für die zwölf Jahre des mongolischen Kalenders* benannt wurden, wurden elf Tiere direkt festgelegt, und dann fragte man sich, welches Tier als Tier des zwölften Jahres den Zyklus beginnen sollte. Das Kamel und die Maus schlugen beide ihre eigenen Namen vor und stritten sich heftig darum, wer in den Zyklus hineinkommen sollte. Weil Buddha keinen von ihnen beleidigen wollte, sprach er: „Entscheidet das unter euch!“

Die beiden Tiere schlossen folgende Wette ab: wer am nächsten Morgen die Strahlen der aufgehenden Sonne als erstes sehen würde, der würde den zwölfjährigen Zyklus anführen. Weiterlesen

28.1 Wie die Mongolen zu ihren Märchen kamen – und zu ihren Legenden

Es ist doch schon viel zu lange her, dass es im Märchensammler mongolische Märchen egal welches Genres gab. Grund genug, um diese Woche ganz Legenden aus der Mongolei zu widmen. Und womit ließe sich besser anfangen als mit der Legende, die erklärt – Aber lest selbst…

Wie die Mongolen zu ihren Märchen kamen

Es wird erzählt, dass sich vor vielen Jahren unter den Mongolen die gefürchteten schwarzen Pocken ausbreiteten, so dass hunderte, ja tausende Menschen umkamen. Diejenigen, die noch gesund waren, überließen die Kranken ihrem Schicksal und flohen in Panik, um wenigstens ihre eigenen Leben zu retten.

Auch ein fünfzehnjähriger Junge, der der blinde Tarwaa genannt wurde, blieb so alleine zurück. Als er das Bewusstsein verlor, verließ seine Seele seinen Körper und kam zu dem Khaan der Hölle. Der Khaan der Hölle wunderte sich sehr, als er die Seele sah und fragte: „Warum bist du hergekommen, wo doch dein Körper noch gar nicht tot ist?“

„Weil sie meinen Körper schon für tot hielten, haben sie ihn zurückgelassen,“ sagte die Seele. „Daher habe ich nicht länger gewartet, sondern bin gleich hierher gekommen.“ Weiterlesen