42.5 Kurze und lange afrikanische Rätsel

Aus Asien machen wir nun einen Riesensatz und landen in Afrika. Los geht es mit einigen knappen Rätselsprüchen der Shambala bzw. Shambaa, einem Volk in Tansania. Danach kommen wir zu einem wirklich kunstvollen, kleinen Rätselmärchen der Zulu, einem weiteren Bantu-Volk. Aber rätselt los…

Rätsel der Shambala

Dort in der Wüste schnäuzt sich ein Mkuafi die Nase. Alle Leute fürchten sich. Was ist das?
– Lösung: der Löwe

Ich gehe in ein Gebüsch; dort höre ich einen Topf mit Maiskörnern brodeln. Was ist das?
– Lösung: der Bienenkorb

Hier ist er; hier ist er. Greife ihn! Was ist das?
– Lösung: der Schatten

Der Fellmantel meines Großvaters bedeckt die ganze Erde.
– Lösung: die Wolken

Es gibt ein Haus, das hat keine Tür.
– Lösung: Ei

Tag und Nacht hat es keine Ruhe.
– Lösung: das Wasser

Schürze dein Kleid, wir wollen in den Ameisenhaufen treten.
– Lösung: der Tau – denn, so erklärt Hr. Seidel freundlicherweise, auf Tau zu treten prickelt, wie in einen Ameisenhaufen zu treten, und schon habe ich wieder was gelernt

Ein Rätsel

Rate einen Mann, der den König spielt. Er tut nichts, sondern sitzt ganz still. Seine Leute arbeiten allein, er selbst tut nichts. Er zeigt ihnen, was sie wünschen, aber er tut nichts. Seine Leute können nicht sehen, er sieht für sie. Sie sind blind, sein ganzes Volk, er allein kann sehen. Sie wissen, dass sie durch ihn sehen, obwohl sie selbst nicht sehen können. Denn sie gehen nicht, ohne dass sie etwas wünschen. Er nimmt sie bei der Hand und führt sie dahin, wo die Speise ist, und sie bringen sie in ihr Haus. Aber er selbst rührt nichts an, denn er ist König. Er bleibt immer König, denn er hilft seinen Untertanen.

Zuerst entstand ein Streit und seine Leute sagten: „Du kannst nicht unser König sein und nichts tun; wir fühlen sonst die Macht deiner Herrschaft nicht.“ Er aber antwortete: „Da ihr sagt, ich sei kein König, so will ich still sitzen und zu Boden schauen. Dann werdet ihr sehen, dass ich wirklich ein König bin; denn wenn ich zu Boden schaue, so wird das Land öde sein, ihr werdet in Gruben und Abgründe stürzen, von wilden Tieren verschlungen werden, da ihr sie nicht seht, und Hungers sterben, da ihr nichts zu essen findet. Weil ihr mit mir streitet, seid ihr blind!“

Nun sahen sie ein, dass er ein König war und sprachen: „Lasst uns offen anerkennen, dass er unser König ist, damit wir leben können. Wenn wir Hungers sterben, wird die Majestät, die wir für uns in Anspruch nehmen, schnell zu Ende gehen. Wir sind nur Könige, wenn wir leben.“ So wurde er als König anerkannt und regierte, und das Land war glücklich.

Er ist ein Mann, der sich niemals wäscht, er sitzt immer nur still. Und wenn ihn nur die geringste Krankheit befällt, so gerät all sein Volk in Bedrängnis, Hungers zu sterben, und die Leute fürchten sich das Haus zu verlassen, weil sie in Abgründe stürzen und zerschellen würden. Sie flehen für seine Gesundheit und freuen sich, wenn es ihm gut geht.

Auflösung: das Auge.

*******

Ich nehme mal an, das Zulu-Rätsel ist im Original noch rätselhafter. Ich habe auch fieberhaft überlegt, ob mir für sehen/schauen etwas einfällt, was nicht gleich das Auge verrät, aber ohne Erfolg. Und überhaupt geht es wohl mehr um die Regeln zwischen Herrschern und Beherrschten.

 
Textquelle: A. Seidel: Geschichten und Lieder der Afrikaner. Berlin: Schall & Grund 1896, S. 177 und 268–269.

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