42.1 Deutsche Rätsel – oder: auf der Suche nach der Frage zur Antwort in der Frage

Heute läute ich die 42. Woche, in der es im Märchensammler Texte der Volksdichtung zu lesen gibt. Bislang habe ich mich dabei auf erzählende Texte konzentriert, also auf Fabeln, Legenden, Zaubermärchen usw. Natürlich haben die Erzähltraditionen der verschiedenen Völker noch mehr zu bieten und deswegen kommen wir diese Woche zu Rätseln. Denn welche Woche wäre da besser geeignet als die 42. Schließlich ist die 42 ja, wie wir dank Douglas Adams’ Hitchhiker’s Guide to the Galaxy wissen, die Antwort auf die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und eben Allem. Nur die Frage ist wohl nach wie vor ein Rätsel und also auf zur Trainingswoche im Rätselraten. Und wenn das jetzt keine elegante Ein- und Überleitung war. Räusper.

Los geht es, wie kann es anders sein, auf der dieswöchigen Märchen- oder eigentlich Rätselweltreise in deutschen Landen. Verrückterweise waren die gar nicht so einfach zu finden. Aber wer lange sucht und also, um euch nicht länger auf die Folter zu spannen, rätselt los…

Ach, noch eine Sekunde. Die Lösung findet ihr, wenn ihr mit eurer Maus die Stelle nach der Lösung markiert. Jetzt aber –

Deutsche Rätsel

Ein rotes Ställchen
Voll weißer Hühnerchen
Was ist das?
– Lösung: der Mund mitsamt Zähnen

Es kommt vom Leben,
Hat kein Leben,
Und kann doch jedem
Antwort geben.
– Lösung: die Schreibfeder

Oben eine Seele,
Unten eine Seele,
In der Mitt’ ein Leder:
Rat’, mein lieber Peter!
– Lösung: Reiter, Pferd und Sattel

Sage mir, Kindchen,
Wo ist das zu schau’n:
Es bellt ein rot’ Hündchen
Durch ’nen knöchernen Zaun?
– Lösung: die Zunge zwischen den Zähnen

Erst seh’ ich weiß wie Schnee,
Dann bin ich grün wie Klee,
Dann werd’ ich rot wie Blut
Und schmeck’ allen Kindern gut.
– Lösung: die Kirsche

’s hat einer sechs Beine
Und geht nur auf vier’ –
Wen ich da wohl meine?
Sag’, Büblein, es mir!
– Lösung: der Reiter

Es steckt ein Bündelein Heu auf der Stange;
D’ran fressen zehn hungrige Schäflein so lange,
Bis alle Hälmchen verzehret sind.
Was sind das für Schäfchen? — Ei, rate, mein Kind!
– Lösung: die zehn Finger der Spinnerin

Vier Jahr bleib’ ich aus,
Dann komm’ ich nach Haus,
Und zeige mich wieder
Im Kreis meiner Brüder.
– Lösung: der Schalttag

Verfertigt ist’s schon lange Zeit,
Doch meistenteils gemacht erst heut;
Sehr angenehm ist’s seinem Herrn,
Und dennoch hütet’s niemand gern.
– Lösung: das Bett

Der mich macht, der will mich nicht,
Der mich trägt, behält mich nicht;
Der mich tauft, der braucht mich nicht,
Der mich hat, der weiß es nicht.
– Lösung: der Sarg

Die Sonne kocht mich manchen Tag,
Eh’ deine Hand mich brechen mag;
Und hat dein Finger mich gepflückt,
Und deine Sohle mich zerdrückt,
So schlürft mich deine Lippe ein.
Nun rate schnell! Ich heiße: —?
– Lösung: Wein

Das Wasser, das helle,
Hol’ ich von der Quelle;
Das Bier, das frische,
Trag’ ich zu Tische;
Und Essig und Öl und Wein,
Ich schütte sie aus und ein.
– Lösung: der Krug

Der arme Tropf
Hat keinen Kopf;
Das arme Weib
Hat keinen Leib;
Die arme Kleine
Hat keine Beine.
Sie ist ein langer Darm,
Doch schlingt sie einen Arm
Bedächtlich in den andern ein.
Was mag das für ein Weiblein sein?
– Lösung: die Bretzel

*******

Und? Wieviele konntet ihr erraten? Ich gerade mal so ungefähr die Hälfte. Weia. Aber wir fangen ja erst an!

 
Textquelle: Alte und neue Kinderlieder, Fabeln, Sprüche und Räthsel. Mit Bildern nach Originalzeichnungen. Herausgegeben von Georg Scherer. Leipzig: Gustav Mayer 1849, S. 133–140.
Bildquelle: Zeichnung von A. Kreling aus der Textquelle, S. 133

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