22.6 Die Geschichte von drei Geistern, welche Fußball spielten

In Märchen eh kaum möglich, scheint es in irischen Märchen noch viel weniger möglich, dem Geistergesindel zu entrinnen. Statt Feen gibt es heute aber ‚echte Kerle‘, die – wie könnte es anders sein! – Fußball spielen. Aber lest selbst…

Die Geschichte von drei Geistern, welche Fußball spielten

Es war einmal eine arme Witwe, die hatte einen einzigen Sohn, den sie fort in die weite Welt schicken musste, da sie zu Hause kein Brot für ihn hatte. Derselbe ging nun von Haus zu Haus und suchte Obdach und Arbeit.

Einst kam er zu einem reichen Bauern, der sprach zu ihm: „Wenn du eine Nacht in dem Schloss nebenan schlafen willst, so sollst du am nächsten Morgen hundert Guineen haben!“

„Das will ich gerne tun,“ erwiderte der Knabe, „vorausgesetzt, dass ihr Niemand hinschickt, der mich umbringen soll!“

„Gewiß nicht. Aber in jenem Schlosse spukt es seit dem Tode meines Vaters und schon zwei oder drei Personen, die darin schliefen, wurden am nächsten Morgen tot gefunden. Wenn du diese Nacht überlebst, so sollst du ein schönes Landgut und meine Tochter zur Frau haben.“

„Ich habe ein gutes Gewissen und brauche mich daher vor bösen Geistern nicht zu fürchten,“ erklärte der junge Mann. Und als er zu Abend gegessen hatte, ward er in ein Zimmer des verzauberten Schlosses geführt und seinem Schicksale überlassen. Er machte sich ein großes Feuer an und setzte sich an den Tisch, auf dem eine große Flasche mit Wein stand.

„Mein Gebetbuch ist besser,“ sagte er zu sich und fing an, darin zu lesen; doch bald wurde er durch ein verdächtiges Geräusch im Kamine gestört. „Ich falle, ich falle,“ rief es beständig. „Falle nur zu!“ antwortete der Jüngling und gleich kamen zwei menschliche Beine herunter, die sich von selber in eine Ecke stellten. Als er nachsehen wollte, hörte er wieder dieselben Worte; er antwortete wieder das nämliche und mit der Zeit kam der übrige Körper herunter und setzte sich auf die Beine. In derselben Weise kamen noch zwei andere altmodisch gekleidete Männer aus dem Schornstein und begannen mit dem ersten Fußball zu spielen.

„Lasst uns doch lieber zu viert spielen,“ sprach der junge Mann, „dann sind zwei auf jeder Seite.“ Sie waren damit einverstanden und spielten bis spät nach Mitternacht. Als sie nun gehen wollten, fragte er sie: „Sagt mir doch, liebe Leute, warum ihr jede Nacht hierher kommt und ob ich etwas für euch tun kann, um euch zur Ruhe zu verhelfen!“

„Das sind die schönsten Worte, die du je in deinem Leben gesprochen hast,“ erwiderte der Eine, „Es sind schon Mehrere hier gewesen und haben mit uns gespielt, aber noch Keiner hatte den Mut, uns diese Frage zu stellen. Ich bin der Vater des Mannes, der dich hergeschickt hat; der Mann in der linken Ecke ist mein Vater und der andere mein Großvater. Während unseres Lebens liebten wir das Geld zu sehr und liehen nur gegen zehnfache Zinsen aus.“

Darnach öffnete er einen Schrank in der Mauer und fuhr fort: „Hier ist das Geld, zu dem wir in ehrlicher Weise nicht berechtigt waren und daneben liegen die Papiere, welche dir zeigen, wen wir betrogen haben. Sage nun meinem Sohne, er solle gleich sein bestes Pferd satteln und nicht eher damit zurückkehren, bis jede arme Frau und jeder arme Mann ihr und sein Eigentum zurückerhalten hat. Dann komme wieder hierher und wenn dir alsdann nichts Auffallendes vorkommt, so sind unsere Seelen zur ewigen Ruhe eingegangen.“

Darauf verschwanden die Unglücklichen. Der junge Mann richtete am nächsten Morgen seinen Auftrag gewissenhaft aus; sein Wirt handelte auch darnach und gab ihm seine Tochter zur Frau.

In der Hochzeitsnacht aber sah der Jüngling, wie drei weiße Tauben vom Kirchturm in den Himmel flogen.

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Fußball im Märchen! Ich bin so begeistert, ihr glaubt es nicht. Wo ich nach dem Fußie-Sommer schon beschlossen hatte, mal wieder ordentlich Fußball zu gucken. Wenn das kein Zeichen ist, dieses Märchen. 😀

 

Textquelle: Karl Knortz: Irländische Märchen. Zürich: 1886, S. 20-21.
Bildquelle: Aus einem Zeitungsbericht zum ersten Fußball-Länderspiel, nämlich England gegen Schottland 1872

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