20.7 Und zum Finale? Der Hase bei Aesop und andern ollen Griechen

Die letzte Etappe der Hasenreise steht heute ein bißchen unter dem Motto „Wer hat’s erfunden?“ Die Antwort lautet natürlich, wo es ja um Tiermärchen geht und Indien schon vorbei ist, Aesop. Oder doch zumindest die ollen Griechen. Aber lest selbst… (und zwar gleich mal 3!)

Die Schildkröte und der Hase

Eine Flussschildkröte und ein Hase forderten sich zu einem Wettlaufe heraus und setzten einen bestimmten Ort als Ziel fest. Der Hase, der seiner Schnellfüssigkeit wegen sorglos war, behandelte die Angelegenheit nachlässig und schlief; die Schildkröte hingegen ließ, weil sie die Schwerfälligkeit ihrer Natur kannte, vom Laufen nicht ab. Sie lief während der Hase schlief und kam ihm darum zuvor.

Dies lehrt, dass Sorgfalt und unausgesetztes Streben besser, als Sorglosigkeit und Nachlässigkeit sind.

Textquelle: Die Fabeln des Sophos […] von Dr. Julius Landsberger. Posen 1859, S. 69.
Bildquelle: Illustration zur Fabel von Jean Grandeville (1803-1847)

Der Löwe und der Hase
(von Gotthold Ephraim Lessing)

Ein Löwe würdigte einen drolligen Hasen seiner nähern Bekanntschaft. Aber ist es denn wahr, fragte ihn einst der Hase, dass euch Löwen ein elender krähender Hahn so leicht verjagen kann?

Allerdings ist es wahr, antwortete der Löwe; und es ist eine allgemeine Anmerkung, daß wir großen Tiere durchgängig eine gewisse kleine Schwachheit an uns haben. So wirst du, zum Exempel, von dem Elefanten gehört haben, dass ihm das Grunzen eines Schweins Schauder und Entsetzen erwecket. –

Wahrhaftig? Unterbrach ihn der Hase. Ja, nun begreif ich auch, warum wir Hasen uns so entsetzlich vor den Hunden fürchten.

Textquelle: Gotthold Ephraim Lessing: Fabeln (1759&1777). Abhandlungen über die Fabel. Hrsg. Von Heinz Rölleke. Stuttgart: Reclam 2004, S. 12.

Die Hasen und die Frösche

Die Hasen klagten einst über ihre missliche Lage. „Wir leben,“ sprach ein Redner, „in steter Furcht vor Menschen und Tieren, eine Beute der Hunde, der Adler, ja fast aller Raubtiere! Unsere stete Angst ist ärger als der Tod selbst. Auf, lasst uns ein für allemal sterben.“

In einem nahen Teich wollten sie sich nun ersäufen; sie eilten ihm zu; allein das außerordentliche Getöse und ihre wunderbare Gestalt erschreckte eine Menge Frösche, die am Ufer saßen, so sehr, dass sie aufs schnellste untertauchten.

„Halt!“ rief nun eben dieser Sprecher, „wir wollen das Ersäufen noch ein wenig aufschieben, denn auch uns fürchten, wie ihr seht, einige Tiere, welche also wohl noch unglücklicher sein müssen als wir.“

Laß dich nie durch’s Unglück niederschlagen; es gibt immer noch Unglücklichere, mit deren Lage du nicht tauschen würdest.

Textquelle: Weil mich meine Bücher im Stich gelassen haben – Gutenberg
Bildquelle: Illustration zum Text von dem großartigen Wenzel Hollar (1607-1677)

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Na, habe ich zuviel versprochen? Wettlauf mit Hase, wenn es auch hier nicht Cleverness, sondern Fleiß ist, der die Schildkröte siegen lässt. Da mag Herr Landsberger nachgeholfen haben, wenn auch nicht für die christliche Moral ausnahmsweise, denn der Julius? Rabbiner.

Gut, gut. Lessings Fabel ist eher die Gegenvariante. Aber immerhin Hase und Löwe. Mit reizend naiv-arrogantem Hasen. Eine andere Variante zum Thema Angst überwinden.

Und damit sind wir auch schon bei der letzten Fabel. Den Angsthasen. Schafe statt Hasen und nix mit füchsischen Nebendarstellern, aber dafür verflixt nah an der mongolischen Version. Und die geht garantiert auf eine Vorlage von Außen zurück. Ich dachte immer an etwas Indisches, aber wer weiß, wer da von wem letztlich… 😉

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