17.7 Hermod und Hadvör

Zum Abschluss der isländischen Märchenwoche noch mal alles Gute auf einmal: Riesen, Zauber, Prüfungen und alle Schikanen. Aber lest selbst…

Hermod und Hadvör

Es waren einmal ein König und eine Königin in ihrem Reiche; sie hatten eine Tochter, welche Hadvör hieß. Dieselbe war sehr schön, und da sie das einzige Kind war, welches ihre Eltern hatten, war sie die zukünftige Erbin des Reiches. Der König und die Königin hatten auch einen Ziehsohn, der Hermod hieß; er stand beiläufig im selben Alter wie Hadvör, und war ebenfalls sehr schön und tüchtig und geschickt in allen Dingen. Hermod und Hadvör spielten oft zusammen in ihrer Kindheit und schworen sich schon in jungem Alter heimlich gegenseitige Liebe und Treue.

Es verstrich nun einige Zeit bis die Königin krank wurde; da sie ahnte, dass sie an dieser Krankheit sterben würde, schickte sie nach dem Könige. Als dieser kam, sagte sie zu ihm, dass sie nicht mehr lange leben werde und daher besonders eine Bitte an ihn richten wolle, die Bitte nämlich, dass er, falls er sich eine zweite Frau nehmen wollte, keine andere wählen solle als die Königin vom guten Hetlande. Der König versprach ihr dies und hierauf starb die Königin.

Nach einiger Zeit begann der König des einsamen Lebens überdrüssig zu werden, er rüstete ein Schiff aus und stach in die See. Da fiel ein dichter Nebel ein, so dass er sich verirrte. Nach langer Irrfahrt stieß er endlich auf Land, legte dort vor Anker und verließ allein das Schiff. Als er eine Weile gegangen war, kam er in einen Wald; er ging darin eine Strecke weit dahin und ruhte dann aus.

Da hörte er überaus schön auf einem Instrumente spielen und ging dem Laute nach, bis er zu einer offenen Stelle im Walde kam. Hier sah er drei Weiber. Das eine von ihnen saß in prächtiger Kleidung auf einem goldenen Stuhle, hielt eine Harfe in der Hand und hatte eine kummervolle Miene; das andere war auch sehr schön gekleidet, aber jünger und saß ebenfalls auf einem Stuhle, der aber nicht so kostbar war wie jener. Das dritte Weib stand bei den zwei anderen und war gleichfalls von recht hübschem Aussehen; dasselbe trug einen grünen Mantel über der übrigen Kleidung, und man konnte aus Allem ersehen, dass es die Dienerin der beiden anderen war.

Nachdem der König die Weiber eine Weile für sich betrachtet hatte, trat er auf sie zu und grüßte sie. Dasjenige, welches auf dem goldenen Stuhle saß, fragte ihn, wer er sei und wohin er zu gehen gedenke. Er erzählte nun, dass er ein König sei und seine Königin verloren habe; er wolle nach dem guten Hetland segeln und dort um die Königin freien.

Die Frau sagte, dass das Schicksal dies wunderbar gefügt habe; Hetland wäre mit Krieg überzogen worden, Wikinger hätten ihren König in der Schlacht getötet und da sei sie kummererfüllt aus dem Lande geflohen und nach vielen Mühen und Beschwerden hierher gekommen; sie sei dieselbe, welche er suche, und das eine der beiden anderen Weiber sei ihre Tochter, das andere ihre Dienerin. Der König zögerte nicht lange, sondern trug gleich seine Werbung vor. Sie nahm dieselbe freundlich auf, zeigte Freude und gab sogleich ihre Einwilligung. Nach kurzem Aufenthalte brachen sie alle auf und begaben sich zu dem Schiffe.

Von ihrer Fahrt wird nichts Besonderes berichtet; sie kamen ohne Unfall in das Reich des Königs, es wurde ein großes Hochzeitsfest veranstaltet und der König heiratete dieses Weib.

Es fiel auch eine Zeit lang nichts Bemerkenswertes vor. Hermod und Hadvör gaben sich wenig mit der Königin und ihrer Tochter ab; mit der Zeit aber wurden Hadvör und die Dienerin der Königin, welche Olöf hieß, vertraute Freundinnen, und Olöf kam oft in das Haus der Hadvör.

Es dauerte nicht lange, so zog der König in den Krieg. Als er fortgesegelt war, kam die Königin zu Hermod und sagte ihm, es sei ihr Wunsch, dass er ihre Tochter zum Weibe nehme. Hermod entgegnete ihr aber kurz und bündig, dass daraus nichts werden könne.

Darüber wurde die Königin sehr erzürnt und sagte, dass dann auch sie beide, Hermod und Hadvör, sich vorläufig ihres Liebesglückes nicht länger freuen sollten; denn sie lege jetzt den Zauber auf ihn, dass er auf eine öde Insel kommen und am Tage ein Löwe, in der Nacht aber ein Mensch sein solle, so dass er der Hadvör gedenken könne und um so größere Pein empfinde. Von dieser Verzauberung solle er nicht früher erlöst werden, als bis Hadvör seine Löwenhaut verbrenne, was wohl sobald nicht der Fall sein werde.

Als die Königin ihre Rede beendigt hatte, sagte Hermod, er lege seinerseits den Zauber auf sie, dass, sobald er aus seiner Verzauberung erlöst sei, die Königin und ihre Tochter, die eine in eine Ratte und die andere in eine Maus verwandelt werden und so lange in dem Schlosse einander zerfleischen sollten, bis er sie mit seinem Schwerte töten würde.

Hierauf verschwand Hermod und Niemand wusste, was aus ihm geworden war. Die Königin ließ ihn zum Scheine suchen, er konnte aber nirgends gefunden werden.

Als Olöf wieder einmal bei Hadvör war, fragte sie die Königstochter, ob sie wisse, wohin Hermod gekommen sei. Bei diesen Worten wurde Hadvör traurig und sagte, sie wisse es nicht. Olöf entgegnete, sie wolle es ihr sagen, denn es sei ihr gar wohl bekannt. Sie erzählte nun, dass Hermod auf Veranstaltung der Königin verschwunden sei, denn diese sei eine Riesin, wie auch ihre Tochter, und sie hätten ihre gegenwärtige Gestalt nur angenommen. Als Hermod sich nicht dem Wunsche der Königin fügen und ihre Tochter heiraten wollte, habe sie den Zauber auf ihn gelegt, dass er auf eine Insel hinaus kommen, dort am Tage zu einem Löwen, in der Nacht aber wieder zu einem Menschen werden und nicht früher aus dieser Verzauberung erlöst werden solle, bis Hadvör sein Löwengewand verbrenne. Sie sagte auch, es sei bestimmt, dass Hadvör heirate; denn die Königin besitze einen Bruder in der Unterwelt, einen dreiköpfigen Riesen; diesen gedenke sie zu einem schönen Königssohn zu machen und als solchen um Hadvör freien zu lassen. Diese Handlung, sagte sie, sei nichts Neues für die Königin, und sie habe auch sie aus dem Hause ihrer Eltern entführt und sie gezwungen, ihr zu dienen; aber sie habe ihr nie ein Leides zufügen können, denn der grüne Mantel, welchen sie über ihren Kleidern trage, bewirke, dass ihr nichts schade, was man ihr auch zufügen möge.

Hadvör wurde nun ganz traurig und von Sorgen erfüllt über die Heirat, welche ihr bestimmt sein sollte, und sie bat Olöf auf das Inständigste, ihr einen guten Rat zu geben. Olöf sagte, sie möchte darauf achten, dass der Freier durch den Boden des Hauses zu ihr komme, und solle dann Sorge tragen, sobald sie ein unterirdisches Gedröhn höre und der Boden anfange zu bersten, siedendes Pech bei der Hand zu haben und dasselbe rasch und ausgiebig in den Spalt zu gießen; das werde ihn töten.

Zu dieser Zeit kam auch der König aus dem Kriege heim, und er war sehr betrübt, als er nicht erfahren konnte, was aus Hermod geworden sei. Aber die Königin tröstete ihn, so gut sie konnte, und so fand sich der König allmählich leichter in den Verlust seines Sohnes.

Hadvör saß in ihrem Hause und hatte Alles vorbereitet, um den Freier zu empfangen. Es dauerte auch nicht lange, so entstand einmal des Nachts starkes Gedröhn und Getöse unter dem Boden des Hauses; da glaubte Hadvör zu wissen, was dies zu bedeuten habe, und bat ihre Dienstmädchen, sich bereit zu halten, ihr Beistand zu leisten. Das Gedröhn und Gepolter wurde immer stärker, bis der Boden auseinander barst; da ließ nun Hadvör die Pechkessel herbeiholen und das Pech in den Spalt gießen. Der Lärm wurde hierauf immer schwächer und hörte endlich ganz auf.

Am nächsten Morgen erwachte die Königin sehr früh und sagte, sie müsse aufstehen, was der König sie auch tun ließ. Als sie angekleidet war, begab sie sich vor das Tor der Stadt und fand hier den Riesen, ihren Bruder, tot am Boden liegen. Die Königin trat auf ihn zu und sagte: „Ich bestimme und wirke den Zauber, dass Du zu dem schönsten Königssohne werdest und dass Hadvör nichts gegen die Anschuldigungen machen könne, die ich gegen sie vorbringen werde.“

Da wurde die Leiche des Riesen zur Leiche des schönsten Königssohnes. Hierauf kehrte die Königin wieder nach Hause zurück, suchte den König auf und sagte zu ihm, es schiene ihr nicht, dass seine Tochter das gute Wesen sei, als welches sie sich geben wolle. Sie erzählte sodann, es sei ihr Bruder gekommen und habe um Hadvör’s Hand angehalten, sie aber habe denselben getötet; sein Leichnam liege, wie sie gesehen habe, draußen vor dem Stadttore.

Der König ging nun mit der Königin, um die Leiche zu besichtigen, und es schien Alles mit ihren Angaben übereinzustimmen; er sagte, dass ein so schöner junger Mann für Hadvör ganz passend gewesen wäre und er gerne seine Einwilligung zu dieser Verbindung gegeben hätte.

Die Königin bat den König, er möchte ihr erlauben zu bestimmen, welche Strafe Hadvör zu Theil werden solle, und der König willigte ein, denn er sagte, er könne keine Strafe für seine Tochter festsetzen.

Das Urteil der Königin aber war, dass der König einen großen Grabhügel über ihren Bruder aufwerfen und Hadvör lebendig zu ihm in den Hügel bringen lassen solle. Der König hielt dies für ein vortreffliches und gerechtes Urteil.

Wir müssen nun zurück zu Glöf. Diese wusste von all diesen Anschlägen der Königin, ging zur Königstochter und erzählte ihr, was man mit ihr vorhabe. Hadvör bat sie hierauf flehentlich, ihr Ratschläge zu geben.

Glöf sagte, sie sollte sich vor Allem einen weiten kurzen Mantel anfertigen lassen, welchen sie über den anderen Kleidern tragen möge, wenn sie in den Hügel gehe. Der Riese, fuhr sie fort, werde als Gespenst umgehen, wenn sie beide im Hügel beisammen sein würden, und zwei Hunde bei sich haben; er werde sie bitten, ein Stück Fleisch aus ihren Waden zu schneiden, und es den Hunden zu geben; sie solle ihm aber nicht früher versprechen, dies zu tun, bevor er ihr nicht sage, wo Hermod hingekommen sei, und ihr anzeige, wie sie ihn finden könne. Sowie sie aber den Hügel verlassen wolle, und der Riese sie zu diesem Zwecke auf seine Schultern steigen lasse, werde dieser versuchen, sie zu betrügen und sie bei dem Mantel ergreifen, um sie wieder in den Hügel zurückzuziehen. Sie möge daher Sorge tragen, dass der Mantel nur lose um ihre Schultern hänge, so dass er dem Riesen allein in der Hand zurückbleibe.

Der Grabhügel war nun fertig geworden, der Riese wurde in denselben gelegt und Hadvör, ohne dass sie sich verteidigen oder verantworten konnte, mit ihm eingeschlossen. Als sie beide in dem Hügel waren, geschah Alles so, wie Olöf gesagt hatte. Dieser Königssohn ging als Gespenst um und wurde der Riese, der er war. Er hatte zwei Hunde bei sich und bat Hadvör, einen Bissen Fleisch für dieselben aus ihren Waden zu schneiden; sie aber weigerte sich entschieden, dies zu tun, bevor er ihr nicht gesagt habe, wo Hermod sei, und ihr anzeige, wie sie zu ihm kommen könne.

Der Riese erzählte nun, Hermod befinde sich auf einer öden Insel, welche er bezeichnete; doch könne sie nicht dahin kommen, wenn sie sich nicht die Haut von den Fußsohlen abziehe und sich daraus Schuhe mache; denn mit diesen könne sie über Land und Wasser dahin gehen.

Hadvör tat hierauf, was der Riese von ihr verlangte, schnitt Fleischstücke aus ihren Waden und gab dieselben den Hunden. Als sie damit fertig war, begann sie sich die Haut an den Fußsohlen abzuziehen, machte Schuhe aus derselben und sagte zu dem Riesen, dass sie nun fort wolle.

Der Riese entgegnete, sie müsse auf seine Schultern steigen. Dies tat sie auch und sie kam auf diese Weise aus dem Hügel. Bevor sie jedoch denselben ganz verlassen hatte, wurde sie gar heftig rückwärts am Mantel erfasst; sie hatte aber Sorge getragen, dass derselbe nur lose um ihre Schultern lag, und so blieb dem Riesen der Mantel allein zurück, Hadvör aber entkam.

Sie ging nun hinab zur See und dahin, wo sie wusste, dass es von dort nicht weit sei hinaus auf die Insel zu Hermod. Sie kam wohlbehalten über das Meer; denn ihre Schuhe trugen sie darüber. Als sie auf der Insel an’s Land ging, sah sie nichts als Sand und hohe Klippen, so dass sie nicht wusste, wie sie in das Innere der Insel kommen könne. Da sie nicht nur hierüber traurig und betrübt, sondern auch von dem weiten Marsche ermüdet war, legte sie sich nieder und schlief ein. Da träumte ihr, dass ein riesengroßes Weib zu ihr kam und zu ihr sagte:

„Ich weiß, dass Du Hadvör, die Königstochter, bist und Hermod suchst. Er ist hier auf der Insel; doch wird es schwierig für Dich werden, mit ihm zusammen zu kommen, wenn Du Dir ganz allein überlassen bist; denn Du kannst aus eigenen Kräften nicht auf die Klippen hinauf kommen; ich habe deshalb ein Seil oben an dem Felsen befestigt, und dasselbe wird halten, wenn Du Dich daran aufziehst, um in’s Innere der Insel zu gelangen. Da die Insel groß ist, kann es leicht sein, dass Du den Ort, wo Hermod sich aufhält, nicht so bald finden wirst; deshalb lege ich einen Knäuel für Dich hierher; Du brauchst nur das Ende des Bandes anzufassen, welches daran ist, und der Knäuel wird von selbst vor Dir dahinrollen und Dir den Weg weisen. Außerdem lege ich noch einen Gürtel für Dich hierher; mit diesem sollst Du Dich umgürten, wenn Du erwachst, dann wirst Du vom Hunger nicht ermattet werden.“

Hierauf verschwand das Weib; Hadvör aber erwachte und sah, dass Alles, was sie geträumt hatte, wahr war: ein Seil hing von dem Felsen nieder und neben ihr lagen ein Knäuel und ein Gürtel. Sie legte den Gürtel an, ging zu dem Seile und zog sich an demselben auf den Felsen empor. Hierauf fasste sie das Band, welches aus dem Knäuel heraushing, und dieser rollte nun dahin und blieb erst vor dem Eingange. einer nicht allzu großen Höhle liegen.

Hadvör ging in die Höhle hinein und sah darin ein ärmliches Bett; sie kroch unter dasselbe und legte sich hier nieder.

Als es Abend wurde, hörte sie draußen ein Gedröhn und hierauf Fußtritte; da merkte sie, dass der Löwe zu dem Eingang der Höhle gekommen war und sich dort schüttelte; sodann hörte sie, wie ein Mann hinein kam und zu dem Bette ging. Sie erkannte in diesem Manne alsbald Hermod; denn er begann mit sich selbst über seinen Zustand zu sprechen, und erwähnte dabei oft seiner Liebe zu Hadvör und anderer Dinge aus früherer Zeit.

Hadvör verhielt sich jedoch ruhig und wollte warten, bis Hermod eingeschlafen wäre; als sie glaubte, dass er in festem Schlafe liege, kroch sie unter dem Bette hervor, zündete vor der Höhle ein Feuer an und verbrannte das Löwengewand, welches Hermod draußen abgelegt hatte. Hierauf ging sie wieder in die Höhle zurück und weckte Hermod. Da gab es ein gar freudiges Wiedersehen zwischen ihnen.

Des Morgens dachten sie an ihre Heimkehr und überlegten ganz besonders, auf welche Weise sie von der Insel fortkommen könnten. Da erzählte Hadvör dem Hermod von ihrem Traume und sagte, dass es wohl Jemand auf der Insel geben müsse, der ihnen helfen könne.

Hermod entgegnete, er wisse nur, dass sich ein Riesenweib auf der Insel aufhalte; dasselbe sei die vollständigste Treuriesin und der beste Schutzgeist, und es gelte nun vor Allem, dasselbe aufzusuchen. Sie suchten hierauf die Höhle der Riesin und fanden sie auch; sie sahen in derselben ein erschrecklich großes Riesenweib mit fünfzehn jungen Söhnen und baten es, ihnen behilflich zu sein, dass sie von der Insel an’s Festland kommen könnten.

Die Riesin sagte, dass etwas Anderes leichter zu veranstalten wäre; denn der Hügelbewohner, bei welchem Hadvör gewesen sei, werde trachten, ihnen Hindernisse in den Weg zu legen; er sei zu einem großen, gefürchteten Walfisch geworden und er wolle sie um’s Leben bringen, während sie an’s Land führen. Die Riesin sagte jedoch, sie werde ihnen ein Schiff borgen; und wenn sie des Walfisches ansichtig und glauben würden, dass ihr Leben in Gefahr sei, so möchten sie ihren Namen rufen.

Hermod und Hadvör dankten der Riesin mit vielen und schönen Worten für ihre Hilfe und ihren guten Rat und segelten von der Insel ab. Bald aber sahen sie einen Walfisch, der gewaltig im Wasser herumschlug und unter mächtigem Brausen der Wogen auf sie zuschwamm. Da wussten sie, woran sie jetzt waren, und hielten dafür, dass sie es wohl niemals nötiger hätten, den Namen der Riesin zu rufen, als jetzt; und dies taten sie dann auch.

Gleich darauf sahen sie hinter sich einen ungeheuer großen Walfisch heranschwimmen, dem fünfzehn kleine Wale folgten. Dieser ganze Haufe schwamm eiligst dem Schiffe, in welchem Hermod und Hadvör waren, vor und auf den anderen großen Walfisch los. Dann gab es einen harten Kampf und die See wurde so unruhig, dass das Boot nur mit Mühe und Not gegen die Sturzwellen geschützt werden konnte.

Nachdem dieser Kampf eine gute Weile gedauert hatte, sahen Hermod und Hadvör, dass die See ganz blutig wurde, und hierauf verschwand der eine Walfisch mit den fünfzehn kleineren Walen, und sie kamen wohlbehalten an’s Land.

Wir müssen jetzt zurück in’s Königsschloß. Dort hatten sich seltsame Dinge ereignet: die Königin und ihre Tochter verschwanden, aber eine Ratte und eine Maus lagen dort im beständigen Kampfe mit einander. Viele wollten diese ekelhaften Tiere fortjagen, aber Niemand brachte es zu Stande.

Es verging so einige Zeit und der König war ganz niedergedrückt von Kummer und Trauer wegen des Verschwindens seiner Königin und weil die beiden widerlichen Tiere alle Freude in dem Schlosse verhinderten.

Eines Abends, als Alle wieder kopfhängerisch in der Halle saßen, trat Hermod in dieselbe ein, umgürtete sich mit einem Schwerte und begrüßte den König. Dieser empfing ihn mit unbeschreiblicher Freude und glaubte, ihn von den Toten zurückerhalten zu haben.

Bevor aber Hermod sich setzte, ging er dahin, wo die Ratte und die Maus mit einander kämpften und hieb die Tiere mit dem Schwerte in Stücke. Nun waren alle auf’s Höchste erstaunt, als sie sahen, dass zwei Unholdinen tot auf dem Boden der Halle lagen, und sie verbrannten dieselben sogleich zu kalter Kohle.

Hierauf erzählte Hermod dem König alle seine Schicksale und derselbe war sehr erfreut, dass er von diesen Ungeheuern befreit worden war.

Hermod hielt nun um Hadvör’s Hand an und der König gab sie ihm mit Freuden. Sie hielten Hochzeit und da der König bereits alt geworden war, übertrug er die Regierung des Reiches dem Hermod. Olöf vermählte sich mit einem vornehmen Manne des Reiches und sie alle

Lebten lange und glücklich,
Hatten Kinder und Kindeskinder,
Gruben Wurzeln und Kräuter
Und nun weiß ich die Geschichte nicht mehr weiter.

*******

Das mit dem Löwenfell erinnert mich an irgendein anderes Märchen, aber ich kriege es nicht zusammen. Naja. Ich weiß die Geschichte auch nicht mehr weiter und mache mich jetzt ans Wurzeln und Kräuter (aus dem Kühlschrank) graben, denn der Magen verlangt Abendessen.

Textquelle: Isländische Märchen. Aus den Originalquellen übertragen von Josef Calasanz Poestion. Wien 1884, S. 244-254.

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