16.4 Das Wettschwimmen zwischen dem Hornhecht und der Krabbe

Weiter führt uns unsere Reise durch die Südsee nach Mikronesien, also weiter in Richtung Nordosten. Und obwohl wir damit von Deutschland aus gesehen echt am anderen Ende der Welt abgekommen sind, kommt einem das heutige Tiermärchen doch verflixt bekannt vor. Aber lest selbst…

Das Wettschwimmen zwischen dem Hornhecht und der Krabbe
(Mikronesien)

ls der Hornhecht eines Tages spazieren schwamm, begegnete er der Krabbe. Er knüpfte mit ihr ein Gespräch an, und bald gerieten sie in Streit, wer von ihnen der Schnellere wäre; denn jeder hielt sich selber dafür. Und weil sie sich nicht einigen konnten, verabredeten sie einen Tag, um ein Wettschwimmen zu veranstalten. Sie wollten sich an der Insel Na in Matolenim treffen und alsdann nach der fernen, hohen Insel Kusaie hinüberschwimmen. Wer zuerst dort ankam, sollte Sieger sein.

Die Sache wurde abgemacht. Die schlaue Krabbe lud nun alle Tritonmuscheln zu sich ein. Sie erzählte ihnen von der Wette mit dem Hornhecht und bat die Muscheln, ihr dabei zu helfen. Sie sollten sich in einer Reihe von Na bis nach Kusaie aufstellen und jedesmal, wenn der Hornhecht nach der Krabbe fragte, antworten: „Hier bin ich!“ Die Tritonmuscheln sagten ja und stellten sich in einer langen Reihe von der Riffbrandung bei Na bis Kusaie hin auf. Darauf trafen sich die Krabbe und der Hornhecht in Na und schwammen los.

Allemal, wenn der Hornhecht aus dem Wasser emporschnellte, fragte er: „Wo bist du?“ Dann antwortete diejenige Muschel, welche ihm am nächsten war: „Hier bin ich!“

Er schwamm weiter, tauchte und sprang aus dem Wasser heraus und fragte: „Wo bist du?“ Eine Muschel antwortete dann: „Hier bin ichl“ Er schwamm weiter; und jedesmal, sobald er fragte, erhielt er zur Antwort: „Hier bin ich!“ So ging es bis Kusaie. Und als er dort am Strande ankam und wieder fragte, antwortete die Muschel: „Hier bin ich!“ Da gab er sich besiegt. So wurde der Hornhecht von der schlauen Krabbe beschämt.

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Also Hase und Igel auf mikronesisch. Ansonsten besteht der einzige Unterschied darin, dass mit den Muscheln noch eine dritte Partei hinzukommt. Herr Hambruch schreibt einiges zu Ähnlichkeiten und möglichen Wanderungen von Motiven und das solche ‚Wettmärchen‘ weltweit zu finden sind. Wie immer bei Märchen wird man kaum rausfinden können, ob einfache viele schlaue Köpfe denselben Gedanken hatten oder dank Reisenden und v.a. später Missionaren (Märchen als beliebte Sprachlerntexte mit gleichzeitig prima Moral) die Runde machten.

Dabei hat hier übrigens die Krabbe eine prima Motivation, denn Hornhechte? Essen gerne Krebse. Und sie springen echt aus dem Wasser bei der Jagd und so. Und Tritonmuscheln ließen sich auch ergooglen – die sind vor allem groß und fressen anscheinend Seesterne. Huh.

 

Textquelle: Südseemärchen aus Australien, Neu-Guinea, Fidji, Karolinen, Samoa, Tonga, Hawaii, Neu-Seeland u.a. Herausgegeben von Paul Hambruch. 7.-16. Tausend. Jena: Eugen Diederichs 1921, S. 196f.
Bildquelle: Hornhecht, wie er gerade um Mikronesien vorkommt & Tritonmuschel, die eigentlich eine Seeschnecke ist ;D

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