13.2 Die Affen und der Vogel Sutschimukha

Wir bleiben im gestern schon skizzierten ersten Buch des Pantaschatantra und – dies aber eher zufällig – bei den Affen.

Die Affen und der Vogel Sutschimukha
(1. Buch, 17. Erzählung)

In einer gewissen Berggegend wohnte einmal eine Affenherde. Diese konnte sich einstmals zur Winterzeit gar nicht zufrieden geben. Ihre Körper zitterten, weil ein sehr kalter Wind sie anwehte, ein Schneefall sie traf und ein heftiger Regenguss auf sie niederstürzte. Einige Affen sammelten daher Gundschâfrüchte, welche Feuerfunken ähnlich sind, stellten sich rings um sie und pusteten, um Feuer zu erlangen. Als aber ein Vogel, Namens Sutschimukha*, diese ihre vergebliche Anstrengung sah, sprach er: „Ach, ihr seid alle Toren! Dies sind keine Feuerfunken; es sind Gundschâfrüchte. Wozu also die unnütze Anstrengung? Dadurch könnt ihr euch nicht gegen die Kälte schützen. Drum sucht irgendeine gegen den Wind geschützte Waldgegend, eine Höhle oder Berggrotte! Auch jetzt noch zeigen sich mächtige Regenwolken.“ Darauf sprach einer von diesen zu ihm: „Ha! Du Tor! Was geht das dich an? Halt dein Maul. Es heißt auch:

Einen in Arbeit oft Gestörten, einen Spieler, der unterliegt, soll ein Kluger nicht anreden, wenn er sein eignes Bestes wünscht.

Und so:

Wer Jäger, die umsonst jagen, und Narren, die von Not geplagt, törichterweise anredet, der zieht sich selbst ein Übel zu.“

Jener aber, ohne sich raten zu lassen, hörte nicht auf, noch weiter zu den Affen zu sprechen: „He! Wozu die unnütze Mühe?“ Da er aber keinen Augenblick mit Schwatzen nachließ, packte ihn ein Affe, der über die vergebliche Arbeit in Zorn geraten war, an die Flügel und schleuderte ihn an einen Fels, sodass er umkam. Daher sage ich:

Kein unkrümmbares Holz krümmt sich; mit Messern schneid’t man Steine nicht: Sutschimukha! Bedenk’ dieses! Lehr’ keinen, der nicht lernen will!

Und so:

Denn Belehrung reizt nur Narren, beruhigt sie aber nimmermehr: das Wasser, das die Schlang’ einschlürft, dient zu vermehren nur ihr Gift.

Und ferner:

Belehrung soll man nicht geben jedwedem ohne Unterschied: Sieh! wie ein törichter Affe hauslos die schön behaus’te macht.

* Wie Herr Benfrey erklärt bedeutet der Name: „Mund, wie eine Nadel habend: Spitzschnabel“.

*******

Das nur als Eindruck für das Verhältnis von Fabelinhalt zu moralischen Sentenzen.

Textquelle: Pantschatantra. Fünf Bücher indischer Fabeln, Märchen und Erzählungen. Aus dem Sanskrit übersetzt mit Einleitung und Anmerkungen von Theodor Benfey. Zweiter Theil: Übersetzung und Anmerkungen. Leipzig: F. A. Brockhaus 1859, S. 111f.

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