3.6 Fuchs und Storch auf Platt

Mit der Zeit ist die ursprünglich so moralische Fabel aber nicht nur literarisch verarbeitet worden, sondern ist auch als Tiermärchen in die gewachsene mündliche Tradition eingegangen.

Es folgt eine plattdeutsche Version, die aber auch für nicht Plattdeutsch-sprechende verständlich sein sollte, zumal wir ja alle die Handlung inzwischen kennen. Auffällig: anstatt Moral mit dem Zaunpfahl nun einfach eine Studien in Freundschaft.

Fuchs und Storch beim Essen

Dei Adebor geiht in dei Wisch spazieren un is up Poggenjagd. Dor kümmt dei Foß dor antaugahn un fröggt den Adebor: „Na, wat makt dat Geschäft?“

Fuchs und Storch auf einer Fliese„Ach“, seggt Musche Langebin, „dat sünd slichte Tieden upstunds. Dei Poggen sünd knapp, un dei Hunger is grot.“

„Wat du nich seggst! Ick kann nich klagen“, seggt donn dei Foß. „Kannst mi eins besäuke! Kumm man morgen tau’n Frühstück dal tau mi, denn sallst di eins satt äten!“

„Schönen Dank ok“, seggt de Adebor, „ik ward mi instellen.“

Dat ward annern Dag, un uns’ Adebor mekt sick still up de Padd. As hei bie den Foß ankümmt, hett dei Foß alls fardig snäden, un dat liggt up flache Töllers prat.

„So“, seggt dei Foß, „nu lang’ ok düchtig tau un lat di nich nödigen!“

Un dormit fangt dei Foß an un lickt mit sien Tung’ alls von dei Töllers dal, un dei Adebor klappert mit sienen langen Snabel man blot so’n bäten up’n Töller rüm. Hei kann dat ümmer up den flachen Töller nich fat’t kriegen, un ihre hei sick versüht, sünd dei Töllers leddig.

„Dat’t ok schön smeckt hett!“ seggt dei Foß, un denn leggt hei sick in dei Eck un fangt an tau snorken.

Uns’ Adebor geiht mit ‚n lerrigen Mag’ nah Huus. „Kieck mal, Fruu“, seggt dei Adebor, „wat is dei Foß doch für ‚n hundsföttschen Kierl! So un so het mi dat gahn.“

„Dei verdammtige Racker!“ schelt Adeborsch. „Lad’t di ierst Wunner tau’n Frühstück in, un nahst geiht di dat so. Na, arger di man nich!“

Annern Dag is uns’ Adebor jo wedder up Poggenjagd. Un wecker kümmt dor an? Dei Foß.

„Na“, seggt hei, „wat makt ´t Geschäft?“

„Oh, danke för dei Nahfrag“, seggt dei Adebor, „ick bün all den ganzen Morgen unnerwägens, un dat hett bannig lohnt. Un woans is ´t mit di?“

„Ach“, seggt dei Foß, „ick luer all den ganzen Morgen, un mi is noch rein gar nicks in dei Möt kamen.“

„Dat deit mi ollich leed“, seggt dei Adebor. „Kumm mit mi! Mien Fruu sall uns ´n düchtig Frühstück maken.“

„Dat nähm ick dankbor an!“ antert dei Foß.

Sei gahn ju nu ok beid’ tausamen nah den Adebor, un sein Fruu hett all dat Frühstück hensett’t, alls in grote Buddels mit Water, un dor wirren Poggen in.

„Nu lang’ ok düchtig tau un lat di nich nödigen!“ seggt dei Adebor.

Un dormit klaut hei sick mit sein Bein so üm dei Buddel un haalt sick mit sienen langen Snabel ein Pogg’ nah dei anner ut dei Buddel. Dei Fuß kann nich ankamen un mör taukieken.

Donn löppt hei, dei Foß, nah Huus un seggt tau sein Fruu: „Nah den Adebor gah ick nich wedder hen. Dei kriegt sein Frühstück jo in ´ne Buddel.“

 
Textquelle: Plattdeutsche Märchen. Volkserzählungen aus Mecklenburg. Hrsg. von Siegfried Arnim Neumann. Illustrationen von Werner Schinko. Rostock 1978. S. 166ff. – Hr. Neumann verweist seinerseits auf Aufzeichnungen und Ausgaben aus den 1930er Jahren.
Bildquelle: Hauszeichen mit der Darstellung der Geschichte vom Fuchs und dem Storch nach einem italienischen Holzschnitt als Illustration zu Äsops Fabeln (im Antwerpen, Museum Vleeshuis)

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